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Banater Post

Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

Domplatz in Temeswar mit Sankt-Georgs-Kathedrale, Dreifaltigkeitssäule und ehemaliger Schwäbischer Bank. Foto: Axel Stoßno

Im Wettbewerb um den Titel einer Kulturhauptstadt Europas 2021 standen vier rumänische Städte in der Endrunde: Bukarest, Klausenburg/ Cluj-Napoca, Neustadt/Baia Mare und Temeswar. Als Sieger ging letzten Endes Temeswar hervor. Das gab die zwölfköpfige Expertenjury der Europäischen Union unter der Leitung von Steve Green im Beisein der rumänischen Kulturministerin Corina Șuteu am 16. September bei einer Pressekonferenz in Bukarest bekannt. Es sei ein spannender Wettbewerb gewesen, verkündete der Leiter des Programms „Kreatives Europa“ der EU-Kommission, Karel Bartak. Maßgebliche Wettbewerbskriterien waren Bartak zufolge die Förderung des interkulturellen Dialogs und die Öffnung als europäische Stadt für die Welt, trotz der turbulenten Zeiten, die Europa gerade durchlebe. Jury-Vorsitzender Steve Green, Leiter des Ausschusses der EU-Kommission für die Auswahl der Kulturhauptstadt Europas, verdeutlichte: „Es ist ein Titel, der ein Leben lang bleibt, nicht nur für ein Jahr.“

Die Stadt Temeswar konnte das unabhängige Expertengremium mit dem Programm „Luminează oraşul prin tine“ (Erhelle deine Stadt) überzeugen. Die umfangreiche Bewerbungsdokumentation war vom Verein „Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021“ unter der Koordination seiner Geschäftsführerin Simona Neumann vorbereitet worden (unter www.capitalaculturala2021.ro online einsehbar). „An der Bega setzte man klugerweise auf Multikulturalität, auf Interkonfessionalität, man wollte sich über Grenzen hinwegsetzen, Nachbarn einbinden, Wege zu- und miteinander bauen. Behält man die Temeswarer Geschichte in den Augen, hätte es anders gar nicht kommen können. In einem krisenerprobten Europa, wo das Miteinander schwieriger geworden ist, könnte Temeswar ein Zeichen setzen. Ein richtiges“, kommentierte der Publizist Dan Cărămidariu die Entscheidung der Jury in der ADZ/BZ.

Staatspräsident Klaus Johannis hat Temeswar auf seiner Facebook-Seite beglückwünscht: „Den Titel einer Kulturhauptstadt Europas zu erringen, bedeutet viel Arbeit, Wille und Hingabe seitens der Lokalbehörden und der gesamten städtischen Gemeinschaft. (…) Temeswar ist eine multikulturelle Stadt, die dem Neuen gegenüber offen ist und in der die Vielfalt ihren besonderen Reiz hat. Es freut mich besonders, dass ‚die Stadt des Lichts‘ bewirken wird, dass Rumänien noch mehr über die Grenzen hinaus ausstrahlt.“

Der Temeswarer Bürgermeister Nicolae Robu wertete die Ernennung seiner Stadt zur Kulturhauptstadt Europas 2021 als Mannschaftserfolg, zu dem die gesamte Temeswarer Bevölkerung beigetragen habe. „Wir sind uns bewusst, dass die harte Arbeit eben jetzt beginnt, dass der Titel einer Kulturhauptstadt eine riesige Verantwortung ist und dass wir unser Bestes geben müssen, um den Titel in Ehren zu halten“, erklärte Robu. Die Stadt habe für die Realisierung des Projekts 48,5 Millionen Euro veranschlagt, davon kämen 20 Millionen aus dem Stadthaushalt, 5 Millionen aus dem Haushalt des Kreisrates Temesch und 1,5 Millionen von der Europäischen Kommission. „Zur Deckung des Differenzbetrags rechnen wir mit Unterstützung aus dem Staatshaushalt“, so Robu.

Auch Simona Neumann, die Geschäftsführerin des Vereins „Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021“, erklärte, dass es fünf Jahre harte Arbeit geben wird: „Mit einer vollständigen Kulturagenda wünschen wir uns eine Annäherung an Europa und an europäische Standards durch einen konstanten Dialog und die Durchführung der kulturellen Projekte und Veranstaltungen, die wir vorbereitet haben. Temeswar ist darauf vorbereitet, auf allen Gebieten zu strahlen: auf kultureller, wirtschaftlicher, touristischer und sozialer Ebene, indem jeder Stadt-bewohner Teil dieses Prozesses wird“. Im Rahmen der Vorbereitungen auf das Eventjahr 2021 solle in Temeswar die kulturelle Infrastruktur ausgebaut, aber auch eine bessere Anbindung an die Verkehrsinfrastruktur angestrebt werden, so Neumann.

Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber gratulierte in einem Brief an Bürgermeister Nicolae Robu der Stadt Temeswar zur erfolgreichen Bewerbung um den Titel einer Europäischen Kulturhauptstadt. Damit eröffne sich der Banater Hauptstadt eine große Chance, ihre besondere Geschichte und ihr reiches Kultur-leben einer neuen Generation in Rumänien und in Europa zu vermitteln. Hierzu kann auch die Landsmannschaft der Banater Schwaben durch ihr Wirken einen Beitrag leisten.

Der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ wird seit 1985 jährlich von der Europäischen Union vergeben und soll dazu beitragen, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes in Europa hervorzuheben. Die erste rumänische Stadt, die mit diesem Titel 2007 gekürt wurde, war Hermannstadt unter dem damaligen Bürgermeister und jetzigen Staatspräsidenten Klaus Johannis. Der Titel hatte eine nachhaltig positive Wirkung auf das Image der Stadt, das Kulturleben und nicht zuletzt auf das Lebensgefühl der Bewohner.

Drei Städte werden im Jahr 2021 den Titel einer europäischen Kulturhauptstadt tragen: neben Temeswar  eine Stadt aus Griechenland sowie   eine Stadt aus Serbien oder Montenegro, den beiden EU-Beitrittskandidaten. Europas Kulturhauptstädte 2016 sind San Sebastián (Spanien) und Breslau/Wrocław (Polen).