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Banater Post

Banater »Dorfchronik« und »Siebenbürgische Impressionen«

Franz Ferch: »DIE MAROSCH AM SCHARFE ECK« (Aquarell)

Am 10. November lud die Deutsch-Rumänische Gesellschaft Berlin ins Rumänische Kulturinstitut „Titu Maiorescu“ zu einem Jour-Fix ein. Ehrengast des Abends war Johann Lippet, Gründungsmitglied der „Aktionsgruppe Banat“. Johann Lippet stellte dem Berliner Publikum sein in diesem Jahr erschienenes Buch „Dorfchronik. Ein Roman“ vor.

Wer sich für das Banat und für Siebenbürgen interessiert, kam in diesem Herbst in Berlin voll auf seine Kosten. Im Rahmen der Ausstellung „Der kalte Schmuck des Lebens“, die vom 17. September bis zum 17. November zu Ehren der Nobelpreisträgerin für Literatur 2009, Herta Müller, stattfand, organisierte das Literaturhaus Berlin eine Reihe von Vorträgen, Filmvorführungen und Podiumsdiskussionen, die dem Banat und Siebenbürgen gewidmet waren. Eine Vielzahl von Veranstaltungen setzte sich zum Ziel, diesen bisher weitgehend unbekannten Landstrich und seine Bewohner der breiten Öffentlichkeit näherzubringen. Das Schicksal der Rumäniendeutschen wurde ebenso thematisiert wie das totalitäre System im kommunistischen Rumänien. Helmuth Frauendorfers Filmpremiere „An den Rand geschrieben“ rückte die „Aktionsgruppe Banat“ in den Mittelpunkt des Geschehens.

Die „Dorfchronik“ erzählt anhand von 179 Geschichten, die miteinander verwoben sind und aufeinander verweisen, die Geschichte des Dorfes Wiseschdia, eines der kleinsten im Banat, seit jeher ohne Bahn- und Busanbindung. Der Chronist und Ich-Erzähler lässt den Dorfalltag in Verbindung mit Familiengeschichten Revue passieren, denen Ereignisse aus der Kriegszeit, der unmittelbaren Nachkriegszeit und der damaligen Gegenwart zugrunde liegen. Wie sind diese Geschichten zu erzählen? Und ist das in Form eines herkömmlichen Romans überhaupt möglich? Diese Fragestellungen fließen als Überlegungen in den Roman mit ein.

Nach der halbstündigen Lesung, in der wir über das Vorhaben des Ich-Erzählers erfahren, die Dorfschule vor dem Zerfall zu retten, weil diese nach der Auswanderung der Deutschen dem Verfall überlassen worden war, aber auch über die Deportation der Banater Bevölkerung – unabhängig von der ethnischen Herkunft – in den Baragan und die der Rumäniendeutschen in die Sowjetunion unterrichtet werden, erfahren wir aus dem anschließenden Gespräch, dass die Schule in Wiseschdia heute eine Musterschule ist. Gekonnt führte die Journalistin Marianne Theil durch den Abend. Durch geschickt gestellte Fragen gelang es ihr, dem Autor die Antworten gezielt zu entlocken und somit selbst dem uneingeweihten Besucher das Dorfgeschehen näherzubringen und verständlich zu machen. Ein Roman ist die „Dorfchronik“, wie im Titel angekündigt, beileibe nicht. Johann Lippet entpuppt sich als Chronist und schreibt eine Dokumentation seines Heimatdorfes Wiseschdia. Wiseschdia steht stellvertretend für das Banater Dorf schlechthin. Die Geschehnisse könnten sich so oder so ähnlich in jedem anderen Banater Dorf abgespielt haben, die Personen sind austauschbar, die Ereignisse jedoch bleiben die gleichen.

Wie groß das Interesse an den Werken von Johann Lippet ist, kam durch das zahlreiche und bunt gemischte Publikum zum Ausdruck. Berliner, Banater und Siebenbürger waren gleichermaßen an der Buchpräsentation interessiert. Bis zum letzten Platz war der Vortragsraum im Rumänischen Kulturinstitut besetzt. Aber nicht nur in Deutschland besteht großes Interesse an Johann Lippets literarischem Schaffen, auch in Rumänien sind seine Werke nach wie vor beliebt. Wie sonst ließe es sich erklären, dass ausgerechnet für das Rumänische Fernsehen eine zehnminütige Dokumentation über die Veranstaltung gedreht wurde?

Im Anschluss an die Lesung fand die Vernissage „Siebenbürgische Impressionen“ mit Grafiken von Karin Maria Braun statt. Wie wir von Gudrun Spaan, die die Ausstellung eröffnete, erfahren, wurden die ausgestellten Werke 2010 in Berlin geschaffen. 25 Grafiken (40 x 50 cm) zum Thema Siebenbürgen – sowohl typisch Sächsisches als auch Rumänisches aus Gebieten von der Maramures bis Hermannstadt – füllen den Ausstellungsraum. Die Grafiken von Karin Maria Braun stellen Menschen, Tiere, Trachten, Kirchenburgen dar. Sie sind expressionistisch und erinnern an Holzschnitte, die in Tempera ausgeführt worden sind. Das Besondere daran ist der Kontrast zwischen Schwarz und Weiß und das Fehlen von Grautönen. Die Formen bestechen durch ihre Klarheit und sind Ausdruck hoher Professionalität. Karin Maria Braun wurde 1938 in Sibiu/Hermannstadt geboren und lebt seit 2003 in Berlin. In Hermannnstadt besuchte sie das Gymnasium und danach die Kunsthochschule „Timotei Popovici“. Danach arbeitete sie als Grafikerin und freischaffende Künstlerin. 1995 emigrierte sie nach Deutschland, wo sie zuerst in Freiburg lebte. Zu ihrem Werk gehören auch Aquarelle und Möbelmalerei. Die Bildende Künstlerin Karin Maria Braun wurde 1983 und 1986 mit dem rumänischen Landespreis für Grafik ausgezeichnet.