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Banater Post

„Von Mensch zu Mensch“

Die filigranen Zeichnungen des Künstlers Bruno Bradt (rechts im Bild) sind noch bis zum 3. Mai im Fürther Stadttheater zu sehen.

In den Gesichtern widerspiegelt sich das Leben der Porträtierten.

Dicht gedrängt standen die Besucher der Ausstellungseröffnung am 13. März im Foyer des Fürther Stadttheaters. Der ausstellende Künstler, Bruno Bradt, ist ein im Großraum Nürnberg bekannter Zeichner, seine Arbeiten ziehen Besucher an. Bradts Malthemen und sein Stil sind eigenartig, ungewöhnlich, voller Spannung und Konflikte. Bradt zeichnet Menschen, genauer, die Gesichter von Menschen, ihre Hände und ihre Gesten. Seine Modelle sind nicht die perfekte Schönheit eines David und nicht die Makellosigkeit einer geheimnisvollen Venus. Bradt zeichnet Alltagsmenschen, so wie man ihnen auf der Straße begegnet, Menschen wie du und ich. Seine Venus ist eine Oma, deren Gesicht das offene Buch ihres Lebens darstellt. Tiefe Furchen zeichnen die Gesichter seiner Protagonisten, Schmerz, Leid, Freude und Trauer, auch Glück und Enttäuschungen haben die Gesichter der abgebildeten Personen geprägt. Die Gesten der akribisch gezeichneten Hände – man wird hier an die Nähe der Dürerstadt erinnert – und die Mimik ihrer Gesichter, dazu hell glänzende Augen, mal freundlich
gütig, mal halboffen verschmitzt, mal traurig blickend, sprechen uns an, erzählen ihr Leben.

Man kann an keinem der großformatigen Zeichnungen achtlos vorbeigehen, die Gestalten fordern zum Dialog, sie suchen die Begegnung und Aussprache. Man wird regelrecht provoziert, diesen Dialog aufzunehmen, und versteht sehr leicht, was die Bilder, was der Künstler uns mitteilen will. Bradt inspiriert sich bei seinen Arbeiten aus Gedichten und Liedtexten, auch aus Bibeltexten, aber auch aus der eigenen Lebenserfahrung. Auf manchen seiner Zeichnungen finden sich sehr dezent geschriebene Verse, auf einem erkennt man ganz im Hintergrund Hammer und Sichel in einem Sowjetstern, Zeichen der Unterdrückung und Not. Bradt präsentiert sprechende, ansprechende Bilder.

In die Ausstellung führte Susanne Leutsch ein, die den Künstler und sein Werk sehr treffend charakterisierte: „Der Künstler nähert sich dem Porträtierten offen und ohne Vorbehalte. Er nimmt ihn so an, wie er ist und versucht, nichts zu beschönigen. Das Schöne, das ihm durch die Arbeit durchweg gelingt, ist, den anderen in seiner Würde zu zeigen, der Respekt und Würdigung erfährt durch die unausgesprochene Botschaft: ich sehe dich, ich nehme dich wahr in deinem Sosein. Du darfst sein, wie du bist, du interessierst mich, du bist wertvoll mit deinen Licht- und Schattenseiten. Ohne Ansehen deiner Position in der Gesellschaft stehst du im Licht der Aufmerksamkeit, zunächst der Aufmerksamkeit des Künstlers und schließlich der Betrachter dieser Werke. Ich nehme mir Zeit, mich mit dir zu beschäftigen, ich schenke dir Beachtung, indem ich dich eingehend wahrnehme. Nicht betrachten um zu werten und zu urteilen, sondern um wahrzunehmen und anzunehmen. So ist Bradts Anliegen nicht nur sein ureigenes und persönliches, sondern eines, das ihn mit der christlichen Tradition von Anfang an verbindet.“ Auch die „Fürther Nachrichten“ haben über die Vernissage berichtet, wobei der Reporter die sehr verfeinerte Zeichentechnik Bradts und den schonungslosen Realismus seiner Bilder lobt.

Bruno Bradt ist Banater, Temeswarer. Von früher Jugend an befasst er sich mit Kunst, vor allem mit Zeichnen und Malen. Im Alter von kaum 19 Jahren hat Bradt ein Deckengewölbe in der Rekascher Kirche gemalt. In Temeswar wurde er zum Grafikdesigner ausgebildet und in Deutschland hat er ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg absolviert. Bradt ist als freischaffender Grafikdesigner tätig. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er noch in Rumänien einen 1. Preis beim nationalen Grafikwettbewerb. Ferner wurde er mit dem DESIGN PLUS-Award der Internationale bei der Frankfurter Messe ausgezeichnet, mit dem Supplier of the Year Marketing UVEX und mit dem 2. Jury- und 1. Publikumspreis bei der 1. Großen Erlanger Kunstausstellung 2015. Der Kunstpreis der „Nürnberger Nachrichten“ wurde ihm 2010 und 2012 verliehen. Außerdem war er in den letzten fünf Jahren an zwölf Ausstellungen im Raum Nürnberg-Fürth-Erlangen beteiligt. Seine Ausstellung „Von Mensch zu Mensch“ ist im Stadttheater Fürth noch bis zum 3. Mai zu sehen. Über Bradts Kunst steht sein Motto: Sei und bleibe Mensch mit allem was dazugehört.