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Banater Post

Breitgefächertes Mosaik des Banater Kulturlebens

Seit nunmehr fünf Jahrzehnten tritt Annemarie Podlipny-Hehn publizistisch hervor. Ihr Schaffen in diesem Bereich stellt sich heute nicht nur als sehr umfangreich, sondern auch als äußerst vielseitig dar. Geschuldet ist diese publizistische Vielfalt einerseits ihren Interessen und Neigungen, die – bedingt durch ihre germanistische Ausbildung und ihre berufliche Tätigkeit als langjährige Kustodin an der Kunstabteilung des Banater Museums – vornehmlich in der Bildenden Kunst und Literatur liegen, andererseits ihrem unermüdlichen ehrenamtlichen Engagement als Leiterin (jetzt Ehrenvorsitzende) des Temeswarer deutschen Literaturkreises „Die Stafette“ sowie als Vorstandsmitglied und zeitweilige Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar. Die Bilanz der Buchautorin und
Herausgeberin lässt sich unschwer quantifizieren: Zu den knapp zwanzig eigenen Buchtiteln gesellen sich – das Publikationsverzeichnis mehr als verdreifachend – eine ganze Reihe von Bänden, die sie editorisch betreut hat. Hierzu zählen die „Stafette“-Sammelbände und Einzelpublikationen der „Stafette“-Mitglieder sowie das „Jahrbuch des Demokra-tischen Forums der Deutschen in
Temeswar“.

Anders verhält es sich mit ihren in den deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften in Rumänien erschienenen Beiträgen, deren Zahl in die Hunderte geht. Nachdem Annemarie Podlipny-Hehn schon 1998 mit dem Buch „Werte aller Zeiten“ eine repräsentative Auswahl ihrer kunstgeschichtlichen und -kritischen Studien und Beiträge vorgelegt hat, brachte sie 2014 einen weiteren, 640 Seiten starken Sammelband mit dem Titel „Kulturspiegel. Beiträge zur Kulturlandschaft einer Vielvölkerregion“ heraus. Bei 235 Beiträgen – Studien, Porträts, Interviews, Rezensionen, Ausstellungs- und Tagungsberichte – handelt es sich um eine umfassende Auswahl von Arbeiten, die ab Mitte der 1960er Jahre in den rumäniendeutschen periodischen Publikationen erschienen sind.

Das mit Fotos aus dem Privatarchiv der Autorin illustrierte Buch ist in drei Kapitel strukturiert, die
ihrerseits weiter untergliedert sind. Der Literatur und Bildenden Kunst, die beiden Bereiche, die Annemarie Podlipny-Hehn ihr Leben hindurch beschäftigt haben, sind die beiden ersten Kapitel gewidmet, die fast drei Viertel des Buchumfangs einnehmen.

Im Mittelpunkt des ersten Kapitels stehen mit Nikolaus Lenau (einschließlich der Tagungen der Internationalen Lenau-Gesellschaft), Carmen Sylva und Oscar Walter Cisek drei Dichter und Schriftsteller, deren Leben und Werk Gegenstand langjähriger Forschungen und einschlägiger Buchveröffentlichungen der Autorin waren. Viel Raum wird in einem Unterkapitel der Gegenwartsliteratur und dem deutschen Literaturkreis „Stafette“ zugemessen. Hier finden sich neben Beiträgen über Erika Scharf, Peter Barth, Robert Reiter, Ludwig Schwarz oder Stefan Heinz-Kehrer zahlreiche Berichte, die Einblick in das Wirken des Literaturkreises und das Schaffen der „Stafette“-Autoren gewähren.

Annemarie Podlipny-Hehn, selbst Malerin und fast drei Jahrzehnte Mitarbeiterin der Kunstabteilung des
Banater Museums, ist eine ausgewiesene Kennerin der Banater Kunst-szene. Laufend hat sie Ausstellungsberichte und Künstlerporträts publiziert. Ihre diesbezüglichen Beiträge sind im zweiten Kapitel über Bildende Kunst vereint, das als Fortschreibung des Buches „Werte aller Zeiten“ zu betrachten ist. Es geht hier um Einzeldarstellungen von Künstlern mittels Porträts und Berichten über Retrospektivausstellungen (Aurel Ciupe, Franz Ferch, Stefan Jäger, Hildegard Kremper-Fackner, Corneliu Liuba, Hans Stendl, Stefan Szőnyi, Oskar Szuhanek u.a.), vor allem aber um die traditionellen Jahressalons der Banater bildenden Künstler, worüber die Autorin regelmäßig in der Presse berichtet hat.

Ein weiteres Unterkapitel – warum dem Bereich „Bildende Kunst“ zugeordnet und nicht als eigenständiges Kapitel ausgewiesen, erschließt sich dem Rezensenten nicht ganz – ist der Autorin und ihren Büchern gewidmet. Die hier versammelten Beiträge – Würdigungen, Interviews, Ausstellungskritiken, Rezensionen – widerspiegeln einerseits ihr vielseitiges Wirken, andererseits die allgemeine Wertschätzung, derer sie sich erfreut.

Mit „Banat – ein Modell für Europa“ ist das dritte Kapitel des Buches überschrieben. Darin befasst sich die Autorin vornehmlich mit Kontinuitäten, Brüchen und Neuanfängen im kulturellen Leben der Deutschen im Banat nach der Wende 1989, deren Bemühungen um die Bewahrung ihrer kulturellen Identität unter den neuen Gegebenheiten sowie der Forumsarbeit, die Annemarie Podlipny-Hehn als Mitglied in den Leitungsgremien des Banater und des Temeswar Forums mitgestaltet hat. Als gewinnbringend erweisen sich vor allem die Überblicksdarstellungen sowie die Porträts wichtiger Persönlichkeiten der Banater deutschen Kultur (Johann Wolf, Stefan Binder, Friede Fuchs, Nikolaus Schmidt, Friedrich König, Johann Szekler u.a.), aber auch solche über Menschen mit besonderen Verdiensten in der Forumstätigkeit: Karl Singer, Helmut Weinschrott, Ignaz Bernhard Fischer, Benedikt Roch, Ute Moisuc u.a.

Seit Jahrzehnten ist Annemarie Podlipny-Hehn eine Konstante im Banater deutschen Kulturleben. Sie hat es mitgestaltet, sie hat es ständig beobachtet, reflektiert und dokumentiert, sie hat es durch ihr Schaffen, durch ihre Bücher und zahllose publizistische Beiträge bereichert. Dass letztere nun gesammelt vorliegen, kann nur begrüßt werden, zumal Zeitungs- und Zeitschriftenartikel generell schwer zugänglich sind. Allerdings hätte man sich bezüglich der getroffenen Auswahl an manchen Stellen gewünscht, dass die Autorin dem Grundsatz, wonach „Weniger oft mehr ist“, gefolgt wäre. Nichtsdestotrotz vermittelt der Sammelband ein breitgefächertes, mosaikartig zusammengefügtes Bild der Banater deutschen Kultur, das die Kulturlandschaft der Vielvölkerregion entscheidend mitgeprägt hat.
   
Annemarie Podlipny-Hehn: Kulturspiegel. Beiträge zur Kulturlandschaft einer Vielvölkerregion. Temeswar: Cosmopolitan Art Verlag, 2014. 640 Seiten. Das Buch kann zum Preis von 15 Euro (zuzüglich Versand) bei der Bundesgeschäftsstelle unserer Landsmannschaft (Tel. 089 / 2355730, E-Mail landsmannschaft@banater-schwaben.de) bestellt werden.