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Banater Post

Anklage und Schuldbekenntnis

Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen für die Donauschwaben beschäftigt junge Literaten auch heute noch. Zu ihnen gehört Peter Wassertheurer, geboren 1964 in Spittal an der Drau in Kärnten. Während sich die meisten Autoren der Narration bedienen, hat der promovierte Wassertheurer das Theater als Ausdrucksform gewählt. „Der Ackermann aus Rudolfsdorf. Eine Tragödie in drei Akten“ nennt er sein Stück, das die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Südosteuropa zum Thema hat. Bühne des Geschehens ist Rudolfsdorf, eigentlich Rudolfsgnad im serbischen Westbanat. Serbische Partisanen verwandeln Rudolfsgnad im Herbst 1944, noch bevor die sowjetischen Truppen einmarschiert sind, in ein Konzentrationslager für Donauschwaben, in dem die deutsche Bevölkerung einen brutalen Überlebenskampf führt, den viele verlieren. Die Zustände im Lager sind von Krankheit, Hunger, Gewalt und der Allgegenwart des Todes gekennzeichnet.

Ein junger katholischer Priester wird ins Lager eingeschleust, um einer jungen Mutter die Sterbesakramente zu geben. Er kommt jedoch zu spät. Die Frau ist schon tot. Ihre drei kleinen Kinder beweinen ihre Mutter. Zwei Frauen nehmen sich der Kinder an. In diesem Moment erscheint ein serbischer Partisan, der Lagerkommandant. Zwischen Priester und Offizier beginnt ein Dialog, in dem der Priester das Unrecht im Lager anprangert und den Offizier für den Tod der Frau verantwortlich macht. Der Offizier verteidigt das Lager als Symbol des neuen Gesellschaftssystems, dem die bäuerliche, traditionelle Ordnung der Donauschwaben geopfert wird. Der Priester wird zum Ankläger, der aber anerkennt, dass ein Teil seiner deutschen Landsleute Schuld auf sich geladen haben, weil sie zu Helfern der Besatzer geworden sind.

Später erscheint ein Richter, um im Namen der irdischen Gesetze Recht zu sprechen. Er verurteilt die Donauschwaben dafür, dass sich ein Teil von ihnen dem deutschen Besatzungsregime dienstbar gemacht hatte, mahnt aber die Partisanen zu mehr Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Sein Urteil bleibt ausgewogen, ohne dass die Schuld an den Grausamkeiten des Krieges und im Lager einer Seite zugeschoben wird. Der Richter spricht den Schuldigen Schuld, den Unschuldigen jedoch Unschuld zu. Das Schicksal der Donauschwaben wird jedoch vom Richter nicht in Frage gestellt, da er sich dafür nicht verantwortlich fühlt.

Das Stück endet mit dem Freitod des Priesters, der sich angesichts des Elends und seiner Zweifel an Gott nicht mehr dem Selbstmordverbot der katholischen Kirche verpflichtet fühlt. Der Geistliche fragt sich: „Wie kann dieses Unrecht der Wille eines liebenden Gottes sein?“ Und im selben Monolog stellt er fest: „In dieser Welt will ich kein Diener Gottes mehr sein.“ Der Offizier wird infolge des Grauens zum Säufer. Ein Politkommissar und ein Sekretär, eigentlich ein Untergebener des Kommandanten, sorgen dafür, dass der Lagerleiter in eine Irrenanstalt eingeliefert wird. Der Teil der Überlebenden des Internierungslagers gelangt mit fremder Hilfe über Ungarn nach Österreich oder Deutschland.   
Peter Wassertheurer: Der Ackermann aus Rudolfsdorf. Eine Tragödie in drei Akten. Waiblingen: Verlag gsg medien, 2015. 92 Seiten, ISBN: 3-937984-18-6. Preis 12,80 Euro