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Banater Post

„Hintergründig erzähltes, gehobenes Buch“

Die Lesung des Banater Schriftstellers Franz Heinz im Nürnberger Zeitungscafe „Hermann Kesten“ wurde von dem Literaturwissenschaftler Michael Markel moderiert. Foto: Annette Folkendt

Am 26. März 2015 war der 1929 im Banater Perjamosch geborene prominente Erzähler Franz Heinz Gast der vom Bildungscampus Nürnberg und dem örtlichen Kulturbeirat zugewanderter Deutscher im Zeitungscafé „Hermann Kesten“ organisierten Lesereihe. Schwerpunkt der Lesung vor zwar nicht sehr zahlreichen, doch interessierten Hörern, war sein 2014 erschienener Roman Kriegerdenkmal. 1914 – Hundert Jahre später.

Als Roman einer realen Reise aus dem Banat in die Bukowina, zu den östlichen Schwellen dessen, was vor hundert Jahren Mitteleuropa gewesen ist, stellt das Buch zugleich eine virtuelle historische Reise zu den Hinterlassenschaften des untergegangenen Imperiums dar und erkundet den Gestaltwandel des östlichen Europas an den Schnittstellen seiner alten Wahrheiten und der neuen Wirklichkeiten. Die gelesenen Banater und Czernowitzer Episoden vermittelten adäquat die Besinnlichkeit dieses stillen, behutsamen und anrührenden Romans gegen das Vergessen, den Michael Markel einleitend als „sehr genaues, hintergründig erzähltes, gehobenes Buch“ den Hörern empfohlen hatte.

Auf den im Roman nur am Rande gestreiften siebenbürgischen Raum lenkte Franz Heinz in einem dritten Leseschritt mit einem Fragment aus seiner meisterhaften Erzählung Lieb Heimatland, ade! (1998) hin. Auch in dieser Flüchtlingsgeschichte gehen Gegenwart und Vergangenheit ein responsorisches Verhältnis ein, auch hier wandelt sich das, was einmal Heimat war, zum nur noch gedachten Ort, „überwuchert vom Wildwuchs der Zeit“: „Jenes Fleckchen Erde, das dich nicht loslässt und zu dem du immer wieder zurückfindest, weil die ganze übrige Welt nur Fremde sein kann, die sich dir verweigert und dich abweist? – Vielleicht ist alles nur eine Idee …“ Mit solchen Fragen entließ der Leseabend seine dankbare Zuhörerschaft.