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Banater Post

Sauerwasser und Kursalon

Ernst Schottolas Kaltwasserkur-Heilanstalt, ehemals Kalte Bäder, im Kurort Busiasch (Aquarell von Josef-Franz Schreck)

Der Militärarzt Dr. Emmerich P. Lindenmayr wollte mit seinem 1856 erschienenen Buch über „Die Mineralquellen bei Buziás“ seinem Vater Johann Bernhard Lindenmayr ein Denkmal setzen. Die erste und äußerst wichtige Beschreibung des Badeortes beinhaltet jedoch einige nicht stichhaltige Behauptungen, die später in unzähligen Fachschriften und Prospekten kritiklos übernommen wurden. Mit diesen und ähnlichen historisch nicht richtigen Fakten setzt sich Josef-Franz Schreck in seinem über 200 Seiten starken Buch „Der Badeort Buzias. Ein lokalhistorischer Überblick bis Ende des 19. Jahrhunderts“ auseinander.

Im ersten Teil beschreibt der Autor den Ort im Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts. Busiasch (rum. Buziaș, ung. Buziás) liegt ungefähr auf halbem Weg zwischen Temeswar und Lugosch, unweit des Temesch-Flusses, am Fuße des Silascher Berges. Schreck listet die Toponymien und Ortungen verschiedener Autoren auf und vertritt die Meinung, dass mit dem in einer Urkunde des ungarischen Königs Ludwig des Großen von 1369 genannte Ort „Buzus“ die heutige Ortschaft Busiasch gemeint ist. Das dünnbesiedelte, von Rumänen bewohnte Dorf war im Laufe des Mittelalters ungarischen Adligen, den Osmanen und danach, bis Ende des 18. Jahrhunderts, den Habsburgern untertan. Hätte man die
Mineralquellen nicht erschlossen, so wäre Busiasch mit großer Wahrscheinlichkeit wie die umliegenden Gemeinden Hitiaș, Sârbova oder Silagiu ein bescheidenes Bauerndorf geblieben. In einer übersichtlichen Tabelle und auf selbstgezeichneten Karten werden die verschiedenen unhaltbaren Hypothesen über Name und Entstehungszeitraum dargestellt.Unter der Mercy-Administration gehörte der Ort im Tschakowaer Verwaltungsdistrikt dem Proceß (Bezirk) Temesch mit Sitz in Keweresch an.

Der zweite Teil des Buches ist der Gründung und Entwicklung des Kurbades bis zur Jahrhundertwende 1900 gewidmet. Im Jahre 1807 wurde der Kewerescher Bezirk aus dem Ärar herausgelöst und einer ungarischen kirchlichen Grundgemeinschaft zugewiesen. Als „Fundationalherrschaft“ dem Ungarischen Kultus- und Unterrichtsministerium untergeordnet, das für die Verwaltung und Verpachtung zuständig war, funktionierte diese Einrichtung bis 1892, als die gesamten Bäder, Gebäude sowie der Park verkauft wurden. Der erste Eigentümer war Ernst Schottola aus Budapest.

Die Sternstunde des Badeortes kam mit den ersten ausführlich ausgeführten Analysen der Mineralquellen, die Paul Kitaibel, Professor an der Ofener Universität, im Jahre 1810 durchführte. In seinem posthum erschienenen Sammelband „Hydrographica Hungariae“ sind die von ihm nummerierten vier Quellen erwähnt (Josephs- und Michaelsquelle und die zusammengeschlossenen Quellen 3 und 4 hinter dem späteren „Stahlbad“). Somit ist die Behauptung Emmerich Lindenmayrs, wonach sein Vater, der Distriktsarzt Johann Bernhard Lindenmayr, die Mineralquellen 1811 „entdeckt“ haben soll, nicht zutreffend. Ein rudimentärer Badebetrieb findet bereits Erwähnung in dem 1811 erschienenen Werk „Estestvoslovie“ („Traktat über die Natur“) des Archimandriten Pavle Kengelac. Später beschreibt Ágoston Bárány, der Busiasch 1828 besucht hatte, den Zustand der Heilquellen mit „Sauerwasser“.

Ab 1826 gibt es im Tal ein kaltes und zwei warme Bäder. Das anliegende Areal wird katastriert und allmählich mit Villen und Häusern für betuchte Gäste, Beamte und Rentner aus der k.u.k. Monarchie bebaut. Es entstehen ein herrschaftliches Empfangsgebäude (später Grand Hotel), ein Kaffeehaus (bis zum Bau der römisch-katholischen Kirche 1874 als Bethaus genutzt) und später der Kursalon sowie ein weiteres Hotel, das Kaiser Franz Joseph I. als Hoflager anlässlich der k.u.k. Militär-manöver 1872 dienen wird.

Schreck erwähnt auch einige wichtige Persönlichkeiten, die zum Aufblühen des Badeortes Busiasch wesentlich beigetragen haben. Dr. Georg Csokerlyan war von 1839 bis 1848 der erste staatliche Balneologe im Ort. Er hat die Wirkung des kohlendioxidhaltigen Wassers akribisch dokumentiert und es für Frauenleiden besonders empfehlenswert befunden. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde das Schwergewicht der Badekur jedoch auf Herz- und Kreislaufkrankheiten verlegt. 1848 wurde Sigismund Ormos in Busiasch zum Oberstuhlrichter ernannt. Später avancierte er zum Obergespan des Temescher Komitats und Mitglied der Budapester Akademie der Wissenschaften. Der hochkultivierte und kunstliebende Jurist (er gilt als Gründer des Temeswarer Museums) besaß ein Sommerhaus am Fuße des Silascher Berges, wo er Gastgeber vieler hoher Würdenträger war. Der dritte Name ist der von Ágoston Trefort, von 1872 bis 1888 Unterrichtsminister Ungarns, der Busiasch des Öfteren besucht hat. Dank seines Einsatzes für die völlige Neugestaltung des Kurparks entstanden das Basar-Hotel, die überdachte Wandelbahn, die neuen beiden Trinkhallen und der neue Musikpavillon. Auch nahm man die Bepflanzung und Ausweitung der Parkanlage vor. Der Grafiker M. Waltersdorfer hat das neue Antlitz des Kurortes in einer Radierung von 1881 festgehalten.

Eine Fülle von Einrichtungen, die zum steilen Qualitätssprung der Busiascher Infrastruktur führten, wurden jetzt erneuert oder eingeführt: Apotheken, neue Schule, Post, Telegraf und Telefon, elektrische Beleuchtung, Eisenbahnanschluss, Sparkasse, Kino, Zeitung, Werbeprospekte u.a. Zudem führte der Ausbau der Füllanlagen zu einer wesentlichen Steigerung des Mineralwasserversandes.

Die Zeittafel im Anhang des Buches bietet dem Leser zum ersten Mal ausführliche und aus zuverlässigen Quellen stammende Daten, die chronologisch geordnet und mit Fußnoten versehen sind. Dafür hat der Autor persönlich im Wiener Hofkammerarchiv recherchiert und Dokumente aus den Bibliotheken in Budapest, Regensburg und Ingolstadt eingesehen. Als ein besonderer Pluspunkt sei die kritische Auseinandersetzung mit der Stichhaltigkeit einiger festgenagelter Legenden und Behauptungen erwähnt, aber auch eine ethisch korrekte Zurückhaltung in Zweifelsfällen. Da ein Teil der überlieferten Beschreibungen der Mineralquellen und Bäder nur in Textform vorliegt, hat der Autor eigene, möglichst genaue Aquarellskizzen angefertigt und dem Buch beigegeben.

Josef-Franz Schreck wurde 1935 in Bad Busiasch geboren. Obwohl musikalisch hochbegabt, musste er aus praktischen Erwägungen eine technische Ausbildung machen. Als Elektroniker war er zunächst beim Temeswarer Radiosender tätig, danach bis zu seiner Ausreise an der Elektrofakultät des Polytechnikums. Aus dieser Zeit stammt sein Interesse für die Geschichte des Badeortes.
Diesmal hat der Lokalhistoriker seine Landsleute mit einer anspruchsvollen Gabe beschert. Leider konnte er das Buch aus eigener Kraft bloß in sieben Exemplaren drucken und binden lassen, die er verschiedenen Bibliotheken zur Verfügung stellte. Ob seine Busiascher es zustande bringen werden, eine größere Auflage zu schultern, bleibt dahingestellt. Die Frage der Weiterführung der Chronik unter Einbeziehung des 20. Jahrhunderts stellt sich der Autor selbst, da er das Buch als „Band I“ bezeichnet. Es bleibt zu wünschen, dass der zweite Band bald folgen möge.