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Banater Post

Der Heimatkirche ein Denkmal gesetzt

Jeder Mensch hat in seinem Innersten eine Vorstellung von dem Begriff Heimat. Dieser lässt sich aber kaum verallgemeinern, denn er besteht aus einer Vielzahl von individuellen Erlebnisräumen, gemischt mit subjektiven Empfindungen und Gefühlen. Bildhaft gesagt, steht Heimat aber stets in engstem Bezug zu Orten, wo man sich zuhause fühlte, wo man schöne und angenehme Zeiten erlebt hat. Dies spürt man beim Lesen und Betrachten der Bilder in diesem kleinen Bändchen, der Festschrift „150 Jahre Gott zur Ehr. Jubiläum der römisch-katholischen Pfarrkirche Bakowa 1867-2017“, die soeben im
Banat Verlag Erding erschienen ist. Es sind Texte mit viel Herzblut geschrieben, ehrgeizig und voller
Urvertrauen in eine bewahrende Zukunft. Geschrieben von Bakowaer Kindern, die den Mittelpunkt ihrer Kindheit und Jugend beschreiben, um ihrer Heimatkirche ein Denkmal zu setzen. Und es wurde ein beglückender Versuch, auf knapp 130 Seiten Erinnerungen zu bewahren und an die nachfolgenden Generationen weiterzureichen.

Pfarrer Reinholdt Lovasz beginnt mit der Planung des Kirchenbaus, beschreibt die Entstehung des Baukörpers, schildert eingehend den hohen Beitrag, den die eingewanderten deutschen Katholiken aufbrachten, um durch Eigenleistungen den Baufortschritt zu gewährleisten. Sie bauten gemeinsam an „ihrer“ Kirche, leisteten Tagwerke, Zufuhrdienste und Hilfsarbeiten. Für manche Arbeiten gab es schriftliche Belege, vieles blieb aber im Ungewissen. So wird hier auch auf Berichte von Zeitzeugen zugegriffen. Das Herzstück des Abschnitts bilden die (wieder) aufgefundenen Baupläne, welche in der Festschrift in hervorragender Qualität abgebildet sind.

Die neue Pfarrkirche zu Bakowa wurde am 8. September 1867 von Bischof Alexander Bonnaz geweiht und ist mit einer Turmhöhe von 54 Metern (mit Kreuz zwei Meter höher) eine der höchsten Kirchen des Banats. Damit vollzog sich zunehmend auch der im 19. Jahrhundert beginnende Stilwandel vom Barock zur aufkommenden Neugotik, ein typisches Stilmittel des Historismus. Es entstanden nunmehr hohe lichte Räume, mit steil aufragenden hohen spitzen Türmen. Als Saderlacher muss ich hier auch unsere Heimatkirche (1871) mit ähnlich hochragendem Turm erwähnen, wie auch unsere Schwesterkirche in Guttenbrunn (1872), aber vor allem die Kirchen in Werschetz (1883) und die große katholische Kirche von Winga (1892). Überall ist die Handschrift von Franz Xaver Brandeisz zu spüren.

Fachkundig und einfühlsam werden die Veränderungen im Innenraum beschrieben, teils durch Detail-aufnahmen dokumentiert: liturgische Geräte, Fahnen sowie die (noch) vorhandenen Gemälde. Sehenswert vor allem die Nahaufnahmen vom Ambo oder dem ehemaligen „Ewigen Licht“, denen Walther Konschitzky viel Platz einräumt.

Der zweite Teil gehört dem Volkskundler und Fotografen Walther Konschitzky. Er beginnt gleich mit dem Höhepunkt des künstlerischen Innenlebens der Kirche: mit den 14 Holztafeln der Kreuzwegstationen. Es sind bemalte Bildtafeln, deren vordergründige Figuren sich allmählich zu einem Flachrelief erheben. Der Bilderzyklus stammte aus der berühmten Tiroler Werkstätte des Ferdinand Stuflesser (1855-1926). Allein schon diese sechs Seiten machen das Buch zu einem wertvollen Dokument der Zeitgeschichte. Dazu gehören auch noch die zwei ganzfigürlichen Holzschnitzwerke der „Hl. Dreifaltigkeit“ und der „Hl. Familie“. Sinnvollerweise setzt der Volkskundler hier mit seinen Ausführungen über den Erlebnisraum Kirche ein. Bildhaft reihen sich nun die Erlebnisräume auf wie Perlen einer Kette. Dem kalendarischen Jahresrhythmus der katholischen Kirche folgend, reihen sich Fest an Fest, mit einer kurzen Beschreibung der Sitten und Gebräuche. Manches geht unter, anders kommt auf. Ein Sittenbild der Banater Befindlichkeiten, wie in einem ewigen Kalender. Das Ganze ist reich bebildert mit ausnehmend passenden Motiven zu den Themen.

Von Herta Eder stammt zum Ausklang ein Text zur Hochzeit: Einladung, Brautmesse und Festbräuche. Das Buch schließt mit einigen ergänzenden Aufnahmen des Ist-Zustandes, auch mit dem Gang zum Friedhof.

Was mir wichtig war, ist zunächst das Erlebnis Bakowa. Ich habe den Ort zwar gesehen, aber so nicht gekannt. Als Leitgedanke nehme ich eines mit: Es ist außerordentlich wichtig, manche Ereignisse schriftlich festzuhalten. Nur das Geschriebene überlebt uns. Auch der Kulturraum Banat überlebt nur im Schriftlichen, so bewahrt man und so erfüllt man den Generationenvertrag. Ein wunderschönes Geschenk für Nachbarn, Freunde und alle Banater.

Walther Konschitzky / Reinholdt Lovasz: 150 Jahre Gott zur Ehr. Jubiläum der römisch-katholischen Pfarrkirche Bakowa 1867-2017. Festschrift. Erding: Banat Verlag, 2017. 128 Seiten, Hartdeckel, Kunstdruckpapier. Preis: 20 Euro, zzgl. Versand. Bestellung: Banat Verlag, Zugspitzstraße 64, 85435 Erding, Tel. 08122 / 2292322, E-Mail banatverlag@gmx.de