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Banater Post

Kontaktzonen literarischer Übersetzung

Wissenschaftlicher Themenschwerpunkt der neuesten Ausgabe (Heft 1/2017) der Zeitschrift „Spiegelungen“ ist die literarische Übersetzung als Kulturtechnik. Die drei wissenschaftlichen Analysen sowie die Beiträge der Rubriken „Übersetzen in der Praxis“ und „Projektwerkstatt“ schreiten „Kontaktzonen literarischer Übersetzung“ von der Ukraine bis nach Israel ab. Untersucht werden Übersetzungen als wichtige Formen des Kontakts zwischen unterschiedlichen ostmittel- und südosteuropäischen Literaturen und dem deutschsprachigen Raum, wobei der Fokus auf praktischen Fragestellungen liegt.

Der Aufsatz von Krisztina Busa (Regensburg) schildert den Weg der ungarischen Literatur über Übersetzungen auf den deutschen Buchmarkt. Mit den Auswirkungen des politischen Faktors auf die Übersetzungen aus dem Deutschen ins Slowenische setzt sich der Beitrag von Amalija Maček und Tanja Žigon (Laibach) auseinander. Am Beispiel der bukowinischen Schriftstellerin Olga Kobylanska, die sich auf deutschsprachigem und ukrainischem literarischem Feld bewegte, beleuchtet Kati Brunner (Czernowitz) das kulturvermittelnde Potential der Übersetzung. Die wissenschaftlichen Beiträge werden ergänzt durch Praxisberichte erfahrener Übersetzer wie Jurko Prochasko (Lemberg), Georg Aescht (Bonn) und Nora Iuga (Bukarest). Überdies wird in zwei Werkstattberichten die literarische Übersetzung als Experiment vor Augen geführt. William Hayter (Wellington) zeigt dies am Beispiel von Gedichten Manfred Winklers, die er aus dem Deutschen ins Englische übertragen hat, Cosmin Dragoste (Craiova) gewährt einen Einblick in die Arbeitsweise des Dichters und Übersetzers Ştefan Octavian Iosif.

Der wissenschaftliche Teil des Heftes umfasst noch einen Beitrag von Chiara Conterno (Bologna), die Karl Emil Franzos’ Roman „Der Pojaz“ als Ausdruck der jüdischen „Theatromanie“ deutet, eine pressehistorische Untersuchung von Mária Rózsa (Budapest) zum Pesth-Ofner Localblatt (1850-1865) sowie Rezensionen und Berichte über Tagungen und Workshops.

Dem literarisch interessierten Leser bieten die „Spiegelungen“ Texte von Johann Lippet (Auszüge aus dem Prosaband „Beobachtete, gehörte, gelesene und andere Geschichten“, der im Pop Verlag Ludwigsburg erscheinen wird, sowie der Text „ich könnte meinen kopf zum museum erklären oder Richard Wagner in Selbstzeugnissen“, montiert aus Gedichtzeilen und Gedichtüberschriften aus Veröffentlichungen Wagners) und Carmen Elisabeth Puchianu (Gedichte) sowie einen Auszug aus Liviu Rebreanus Roman „Wald der Gehenkten“ in neuer deutscher Übersetzung von Georg Aescht. Der in Klausenburg geborene, in den USA wirkende Maler und Kunstdozent Armin Mühsam hat für den Literaturteil fünf „Porträts“ mit Feder und Tusche angefertigt.

Schwerpunkt des feuilletonistischen Teils ist die Aktionsgruppe Banat, deren Gründung sich in diesem Frühjahr zum 45. Mal gejährt hat. Christina Rossi würdigt die Verdienste der Autorengruppe, die „einem großen literarischen Wendepunkt in der deutschsprachigen Literatur aus Rumänien Nachdruck und Effekt verliehen“ habe, wonach Nora Iuga einen persönlichen, sich aus der „lebendigen Erinnerung“ speisenden Blick auf diese „deutschen Dichter aus Rumänien“ und insbesondere Rolf Bossert wagt. Richard Wagner, dem seinerzeitigen Kopf der Aktionsgruppe Banat, wird vielstimmig zu seinem 65. Geburtstag gratuliert, unter anderem auch von Gerhardt Csejka, der einen essayistischen Text mit dem Titel „Richards Mühle: mahlend vom Rand zur Mitte oder Klartext Ost und Klartext West“ beisteuerte. Mit einem weiteren ehemaligen Aktionsgruppenmitglied, dem Publizisten und Lyriker William Totok, führte die Literaturwissenschaftlerin Michaela Nowotnick ein Pausengespräch über seine Erlebnisse und Erfahrungen in Rumänien, seine publizistische Tätigkeit in Deutschland und aktuelle Projekte.

Von den weiteren Beiträgen im Feuilleton sind unbedingt zu erwähnen: der autobiografische Aufsatz des evangelischen Pfarrers und Schriftstellers Eginald Schlattner, das der Feder von Mira Miladinović Zalaznik entstammende Porträt des einst in Deutschland sehr erfolgreichen Autors Igor Šentjurc, dem in seinem Herkunftsland Slowenien bislang nur wenig Aufmerksamkeit zukommt, sowie die dem siebenbürgisch-deutschen Schriftsteller Georg Scherg zum 100. Geburtstag gewidmeten Texte von Olivia Spiridon und Cornelius Scherg. Wie immer runden Buchbesprechungen und die beiden Nachrichtenrubriken „Rundschau“ und „Aus dem IKGS“ die Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas ab.

Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Jg. 12 (66), Heft 1/2017: Kontaktzonen literarischer Übersetzung. Herausgegeben im Auftrag des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet, 2017. 302 Seiten. Preis des Einzelheftes: 17 Euro zuzüglich Porto- und Versandkosten. Bestellung unter Tel. 0941 / 920220, E-Mail verlag@pustet.de