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Banater Post

Neue CD: Orgelmusik aus drei Jahrhunderten

Franz Metz spielt an der großen Wegenstein-Orgel der Temeswarer Millenniumskirche - Das Jahrhundert der Hochblüte der Orgelmusik und des Orgelbaus im Banat begann mit der 1793 im Dorf Fibisch gebauten Orgel des Temeswarer Franz Anton Wälter. Diese Epoche verklang schon am Ende des Ersten Weltkriegs durch das Einschmelzen der Orgelpfeifen für die Rüstungsindustrie und mit der Aufteilung der ehemaligen österreich-ungarischen Provinz unter den jungen Nationalstaaten Rumänien, Serbien und Ungarn. Mitte des 20. Jahrhunderts setzte sich der Abbau der Banater Orgelkultur durch die Vertreibung der donauschwäbischen Katholiken in mehreren Etappen fort, die in der Auswanderungswelle nach 1989 gipfelte. Zahlreiche Initiativen der letzten Dezennien trugen jedoch dazu bei, die im Banat erhaltenen alten Instrumente zu reparieren und zu restaurieren. Dazu gehört auch die von Carl Leopold Wegenstein gebaute große Orgel der Temeswarer Millenniumskirche, die zum tausendjährigen Jubiläum des Ungarischen Königreichs geweiht worden war.

Auf diesem Instrument, deren Disposition eine Vielfalt von Klangfarbenmischungen ermöglicht und den Klang bis in jede Ecke des Raumes ausgeglichen und transparent sendet, spielte der Organist und Musikwissenschaftler Dr. Franz Metz das Programm für seine neue CD ein. Dabei spannt sich der Bogen des Repertoires von Bachs monumentaler Toccata und Fuge in d-Moll über eine Reihe repräsentativer Orgelwerke der Postromantik und des Impressionismus und schließt mit drei Kompositionen des Temeswarer Pianisten und Organisten Guido von Pogatschnigg ab.

Die wohl bekannteste Komposition des europäischen Orgelrepertoires, Bachs Toccata und Fuge, steht am Anfang der CD. Metz spielt sie stilecht, mit spannungsreichem Atem und farbenprächtiger Tonqualität. Bachs gewaltige Komposition übernimmt in der redaktionellen Konzeption der Produzenten die Rolle eines Präludiums zu dem postromantischen, impressionistischen und modernen Block. Es ist weitgehend der Verdienst des Interpreten, die stilistisch und kompositionstechnisch kontrastierenden Züge der Musik von Léon Boëllmann und Louis Vierne mit César Franck und Olivier Messiaen unter einen ausgewogenen interpretatorischen Bogen zu bringen.

Der dritte Block präsentiert drei Kompositionen von Guido von Pogatschnigg, einer repräsentativen Persönlichkeit des Banater Musiklebens vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Sein besonderer Verdienst war, dass er in der Zeit elementarer Veränderungen das musikalische Erbe seiner Heimat mit großer Kompetenz pflegte und lebendig hielt. Als exzellenter Konzertpianist und Pädagoge, als Direktor des Temeswarer Konservatoriums, Organist, Dirigent und Komponist brachte er Generationen von jungen Musikern die Geheimnisse der „holden Kunst“ bei. Unter seinen Schülern war auch meine Mutter, die dann wiederum mir den ersten Klavierunterricht erteilte. Also bin ich eigentlich ein Enkelschüler des 1937 verstorbenen Guido von Pogatschnigg.

Aber nicht nur deswegen höre ich diese CD sehr gerne: Sie ist einerseits musikalisch sehr überzeugend und andererseits ein wichtiger Beitrag zur Pflege und Erhaltung der Musikkultur meiner Banater Heimat.

Die CD „Wegenstein. Die große Wegenstein-Orgel der Millenniumskirche in Temeswar. Franz Metz spielt Werke von Bach, Boëllmann, Franck, Messiaen, Vierne und Pogatschnigg“ kann zum Preis von 10 Euro (zuzüglich Versand) bestellt werden bei: Edition Musik Südost, Hugo-Weiss-Straße 5, 81827 München, Tel./Fax 089 / 45011762, E-Mail FranzMetz@aol.com.