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Banater Post

Ein Herz im Himmel, das für uns schlägt

Mit Kreuz, Fahnen, Bildern und Reliquien zog die Pilgerschar − Vertreter verschiedener landsmannschaftlicher Verbände − nach einem zweistündigen Fußmarsch von Thüngesheim nach Retzbach singend und betend in die Wallfahrtskirche „Maria im Grünen Tal“ ein. Hier findet alljährlich die Wallfahrt für Aussiedler und Vertriebene der Diözese Würzburg statt.

Um den Altar des Herrn versammelt (von links): Msgr. Gerold Postler, Wallfahrtsseelsorger von „Maria im Grünen Tal“, Domkapitular Andreas Reinholz, Rektor der Wallfahrtskirche Maria Radna, Pfarrer Adam Possmayer, Aussiedler- und Vertriebenenseelsorger der Diözese Würzburg, Msgr. Karl-Heinz Frühmorgen. Einsender der Fotos: Pfarrer Adam Possmayer

Unter dem Leitwort „Kirche-Heimat“ fand am 30. September die jährliche Diözesanwallfahrt der Aussiedler und Vertriebenen nach Retzbach, zur Kirche „Maria im Grünen Tal“ statt. Heimatpfarrer Adam Possmayer eröffnete die Wallfahrt in der prächtigen Sankt-Michael-Kirche in Thüngersheim mit einer musikalisch umrahmten Aussendungsfeier. Im Pilgersegen bat er Gott um Schutz und Geleit. Danach machte sich die Pilgergruppe, angeführt von Wallfahrtsleiter Winfried Gerber und immer wechselnden Kreuzträgern, auf den Weg nach Retzbach. Mit Liedern und Gebeten, vorgetragen von Pfarrer Possmayer, Martina Bachmann und Sebastian Zgraja, ging es durch die Weinberge oberhalb des Maintals. Besonders erbaulich und meditativ war das eingeflochtene Rosenkranzgebet mit dem Sonnengesang des  heiligen Franz von Assisi. Sein Lobgesang auf Gottes Schöpfung begleitete die Pilger auf ihrem zweistündigen Fußmarsch. Einen passenderen Ort, um unsere Verantwortung für die Bewahrung und Pflege der Schöpfung anzusprechen, hätte es nicht geben können.

Nach dem Aufstieg in die Weinberge bot sich den Pilgernden bei herrlichem Sonnenschein ein weiter Ausblick über das Maintal und den Main zu ihren Füßen. An den vier Stationen, an denen Halt gemacht wurde, gab es Schriftlesungen und meditative Texte mit Bezug zur heutigen Lebenswelt. Während der ganzen Fußwallfahrt begleitete die Blaskapelle Hermann Gropp die Pilger und gab dem Tag eine besonders feierliche Note. Für jene Landsleute, die an der Fußwallfahrt nicht teilnehmen konnten, hatte die Ackermanngemeinde Würzburg einen Pendelbus von Thüngesheim nach Retzbach organisiert. Sie wohnten um 15 Uhr einem ökumenischen Gottesdienst für die Einheit der Christen unter dem Motto „Versöhnung – Die Liebe Christi drängt uns“ bei. Zelebriert wurde dieser von Pfarrer Karl Josef Gruber und Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez.

Gegen 16 Uhr trafen die Fußwallfahrer auf dem Kirchplatz ein. Unter den eindrucksvollen Klängen der
Orgel und der Blaskapelle zogen sie kurz danach mit dem Lied „Großer Gott, wir loben dich“ in die Kirche ein. Wallfahrtsseelsorger Monsignore Gerold Postler begrüßte die Pilger und sprach den Wallfahrtssegen. Viele der Pilger besuchten anschließend das Gnadenbild der Gottesmutter im Altarraum und brachten neben der brennenden Kerze auch ihre Gebetsanliegen dar, wohlwissend, dass an diesem Ort Maria in besonderer Weise zugegen ist. Anschließend gönnten sich die Wallfahrer eine Ruhepause im weitläufigen und schön gepflegten Garten rund um die Kirche. Viele folgten der Einladung und nahmen das Angebot zur leiblichen Stärkung im nahegelegenen Kolpinghaus wahr.

Die Wallfahrtsmesse begann um 18 Uhr mit einem nicht enden wollenden Zug der Fahnen- und Trachtenträger verschiedener landsmannschaftlichen Gruppierungen und Verbänden, gefolgt von den Priestern sowie den Bild- und Reliquienträgern. Ein eindrucksvolles Bild, musikalisch verstärkt, bot sich dem Auge des Betrachters. Zur Wallfahrtsmesse waren weitere Landsleute angereist und zusammen mit den Gläubigen vor Ort füllten sie die Kirche. Hauptzelebrant war Domkapitular Andreas Reinholz, Rektor der Wallfahrtskirche Maria Radna im Banat. Mit ihm feierten die heilige Messe Monsignore Gerold Postler, Wallfahrtsseelsorger von „Maria im Grünen Tal“, Monsignore Karl-Heinz Frühmorgen, langjähriger Geistlicher Beirat der Ackermann-Gemeinde sowie ehemaliger Aussiedler- und Vertriebenenseelsorger und Heimatpfarrer Adam Possmayer, Aussiedler- und Vertriebenenseelsorger der Diözese Würzburg.

In seiner Predigt stellte der Hauptzelebrant Andreas Reinholz die Frage, wie es wohl mit der Fußwallfahrt in 20 oder 30 Jahren aussehen werde. Gespickt mit Beispielen und persönlichen Erfahrungen erläuterte er die verschiedenen Gründe, die Menschen zu einer Wallfahrt bewegen, und sagte: „Ich denke, so viele Pilger es gibt, so viele Gründe gibt es, um sich auf den Weg zu machen.“ Zitate bereicherten die inhaltliche Ausgestaltung der Predigt. „Wir alle sehnen uns nach einer besseren Welt. Ohne bessere Menschen und bessere Christen kann es keine bessere Welt geben“, so der Prediger. Am eindrucksvollsten war wohl die Erinnerung daran, dass wir mit Maria ein Herz im Himmel haben: „Seit Maria uns geschenkt wurde, ist der Himmel für uns keine entfernte und unbekannte Sphäre ... Durch sie steht der Himmel offen. Durch sie hat der Himmel ein Herz.“

Ein weiterer Höhepunkt war wohl das würdevolle Darbringen der Fürbitten. Mit der Gottesmutter von Retzbach und den Patronen der Würzburger Landsmannschaften –stellvertretend für viele Landesheilige in den alten Heimatbistümern – wurden die Sorgen und Anliegen zum Altar vor Gott gebracht. Alfred Kipplinger sprach die Fürbitten für Böhmen und Mähren, Rafael Brutzki für Danzig, Pommern und Preußen, Günther Rinke trug sie für Schlesien vor, Albina Baumann für die Katholiken am Schwarzen Meer, in der Ukraine, Sibirien und Kaukasien, Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan. Katharina Haidt vertrat die Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Würzburg mit Tracht und Fahne und sprach die Fürbitten für die Donauschwaben. Gerhard Flügel trug sie für Siebenbürgen vor. Der Verstorbenen in der alten und neuen Heimat gedachte Martina Bachmann. Die vertrauten Lieder, zusammengefasst in einem Liederheft für die Wallfahrt, begleiteten den gesamten Gottesdienst.

Ein emotional bewegender Moment zeigte sich gegen Ende des feierlichen Gottesdienstes, als Monsignore Postler nach 43-jähriger Wallfahrtsseelsorge in den Ruhestand verabschiedet wurde. Hans-Peter Dörr, Diözesanvorsitzender der Ackermann-Gemeinde, sprach seinen Dank und die Anerkennung für den langjährigen Dienst am Altar und in der Seelsorge aus.

Zum ersten Mal musste die Lichterprozession wegen des Regens in der Kirche stattfinden. Bei Gesang und Gebet bot sich ein eindrucksvolles Bild – ein Kerzenmeer über den Häuptern der Gläubigen. Ein großes Wallfahrtserlebnis neigte sich dem Ende zu.

Unser Dank ergeht an alle, die diese Wallfahrt organisiert und mitgestaltet haben. Ebenso ein herzliches Vergelt’s Gott an die zahlreichen Repräsentanten der Landsmannschaften und Verbände, die mit vielen Zeichen der Zugehörigkeit ihre Identifikation mit dem Glauben und ihrer alten Heimat unterstrichen. Emotional gesättigt, mit tiefer Genugtuung und einer inneren Zufriedenheit traten die Gläubigen den Heimweg an. Intensive Begegnungen mit dem Glauben, mit gläubigen Menschen in froher Gemeinschaft zeichneten den Tag aus. Es bleibt zu hoffen, dass diese Art der Gottesbegegnung durch Maria, unserer Himmlischen Mutter, auch in Zukunft von vielen unserer Banater Landsleute wahrgenommen wird.