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Banater Post

Banater Deutsche arbeiten an ihrer Zukunft

Von Temeswar aus fuhr die Gruppe auf die Banater Heide, ins Bergland und die Arader Gegend. In Maria Radna stand die Wallfahrtsbasilika auf dem Besichtigungsprogramm. Fotos: Cornel Simionescu-Gruber

Seminarteilnehmer vor dem „Alexander Tietz“-Begegnungszentrum in Reschitza mit Erwin Josef Tigla, dem Forumsvorsitzenden der Banater Berglanddeutschen.

Im September unternahm das Deutsch-Europäische Bildungswerk Hessen (DEB) mit Sitz in Wiesbaden eine achttägige, vom Bundesministerium des Inneren geförderte Seminarreise aus der Reihe „Begegnung und Verständigung“ ins Banat. Ausgangspunkt war Temeswar – die Metropole des Banats mit zurzeit rund 310000 Einwohnern. Von dort schwärmten die 33 Reiseteilnehmer aus der ganzen Bundesrepublik in alle Himmelsrichtungen aus und suchten den unmittelbaren Kontakt mit den jetzigen Bewohnern der Region, deren Geschichte und Kultur maßgeblich von Deutschen geprägt wurde. Besucht wurden unter anderem die Städte Lugosch, Arad, Großsanktnikolaus, Orawitza und Reschitza mit den deutschen Minderheiten vor Ort.

Insgesamt standen unter dem Gesichtspunkt „Grenzüberschreitender Gedankenaustausch als Brückenschlag zwischen den Völkern im gemeinsamen Europa“ 18 hochinteressante Fachvorträge, drei sachkundig geführte Stadtführungen, einige Kirchen- und Museumsbesuche, der Besuch des Deutsches Staatstheaters in Temeswar und vor allem die zahlreichen menschliche Begegnungen in den Einrichtungen und Bildungsstätten des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat auf dem umfangreichen Wochenprogramm. Dazu war die ständige Begleitung der Gruppe durch den langjährigen Redaktionsleiter der „Banater Zeitung“, Werner Kremm, eine große Bereicherung. Sein Wissen über Land und Leute im Banat in Vergangenheit und Gegenwart war immer wieder beeindruckend. Er rückte auch nachdrücklich zurecht, dass die Meinung, im Banat würden ehemalige deutsche Ortschaften verfallen, so nicht richtig sei. Vielmehr sehe er bei der Gruppe der sogenannten „Hinterbliebenen“, also bei den nach 1990 im Banat verbliebenen Deutschen, durchaus einen festen Willen, das deutsche Volksgut zu pflegen und soweit wie möglich weiter zu vermitteln.

Als langjähriger und sehr erfahrener Seminarleiter solcher Auslandsreisen wies Georg Stolle (Bensheim), Vorsitzender des DEB Hessen, bereits zu Anfang darauf hin, dass auch dieses Seminar gewissermaßen als eine Mosaikveranstaltung zum Kennenlernen des heutigen Banats in Rumänien zu verstehen sei, von der sicherlich jeder Teilnehmer seine eigenen, unvergesslichen Eindrücke mitnehmen werde. Und er hatte wirklich Recht. So konnten beispielsweise die bundesdeutschen Gäste bei dem Besuch des Deutschen Forums in Großsanktnikolaus von der dort sehr engagierten Leiterin Dietlinde Huhn erfahren, dass die deutsche Sprache und Kultur in dieser Temescher Kleinstadt weiterhin groß geschrieben und mit viel Hingabe bewahrt und gepflegt werde. Es gebe eine sehr gut besuchte Schulabteilung mit Unterricht in Deutsch als Muttersprache und es würden jährlich deutsche Feste wie Fasching oder Erntedankfest von Jung und Alt im großen Stil gefeiert. Der Vorsitzende des Regionalforums Banat, Dr. Johann Fernbach, sagte in seinem Referat über die Zukunft seiner Volksgruppe, dass der Glaube an die Identitätsbewahrung der Banater Schwaben keineswegs abhandengekommen sei. Und er führte wörtlich aus: „Auch wenn es vielerorts heißt, die Auswanderungswelle nach 1990 habe das Ende des Deutschtums in Rumänien bedeutet, so trifft das nicht zu. Vielmehr nutzen die Banater Schwaben die gebotenen Hebel der rumänischen Minderheitenpolitik, die Erfahrung ihrer politischen Vertreter, ihre Fähigkeiten zu Integration und Identitätswahrung sowie die Chance der bundesdeutschen Partner in allen Bereichen, um jeden Tag einen Identitäts-Neustart vorzuzeigen, der auch in schwierigen Momenten neuen Mut schaffen kann.“

Natürlich stand die Gedenk- und Informationsstätte zur rumänischen Revolution von 1989 in Temeswar auch auf dem umfänglichen Tagungsprogramm und deren Leiter Dr. Traian Orban – bei den seinerzeitigen Kampfhandlungen selbst verwundet – gab dabei eine sehr bewegende Vorstellung dieser bedeutenden nationalen Einrichtung.

Als regelmäßiger Begleiter und Mitinitiator derartiger DEB-Seminarreisen nahm auch diesmal der hessische Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Siegbert Ortmann (Lauterbach) daran teil und sah darin am Ende eine wirklich gelungene verständigungspolitische Veranstaltung mit hoch interessanten Vorträgen und anschließenden äußerst lebhaften Diskussionen. Für Ortmann sind solche seit vielen Jahren organisierten Seminarreisen in die ehemaligen deutschen Siedlungsgebiete im östlichen Europa ein wertvolles und zukunftsorientiertes Standbein im alljährlichen Arbeitsspektrum des Bundes der Vertriebenen in Hessen. Gemeinsam mit dem Seminarleiter dankte er den Mitarbeitern der BdV-Landesgeschäftsstelle, und hier besonders Hubert Leja, für die professionelle Vorbereitung und Begleitung zu dieser gelungenen Reiseveranstaltung.