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Banater Post

Aus den Anfängen der Jugendarbeit unseres Verbandes

Die Teilnehmer des Eingliederungsseminars für jugendliche Spätaussiedler in Bad Kissingen mit dem Leiter der Maßnahme, Wilhelm Reiter, und dem Bundesgeschäftsführer der Landsmannschaft, Hans Huniar (zweite Reihe, Zweiter und Vierter von links). Einsender: Michael Koppi

Die Deutsche Banater Jugend und Trachtengruppen (DBJT), der Jugendverband unserer Landsmannschaft, feiert am 6. Mai dieses Jahres sein 30-jähriges Gründungsjubiläum in Wendlingen. Eigentlich jährte sich die Gründung des Bundesverbandes der Banater Jugend zum 30. Mal bereits im vergangenen Jahr, da aber die DBJT in die Gestaltung des Heimattages 2016 voll eingebunden war, beschloss man, die Jubiläumsfeier auf 2017 zu verlegen.

Die Gründung eines Bundesverbandes der Banater Jugend – so die ursprüngliche Bezeichnung; ab 1987 Deutsche Banater Jugend (DBJ), ab 2009 Deutsche Banater Jugend und Trachtengruppen (DBJT) – am 17. Mai 1986 anlässlich des Heimattages in Ulm war die logische Konsequenz einer Entwicklung, die Ende der 1970er Jahre einsetzte. 1978 hatte Peter Krier das Amt des Jugendreferenten des Bundesvorstandes übernommen und den organisatorischen Neuaufbau der Jugendarbeit durch gezielte Maßnahmen (Eingliederungsseminare für jugendliche Aussiedler, Winterfreizeiten, Gründung von Jugendgruppen usw.) vorangetrieben. Zum Zeitpunkt der Gründung des Jugendverbandes bestanden bereits 19 Jugendgruppen bundesweit.

Das Jahr 1986 ist zwar eine entscheidende Wegmarke in der Verbandsgeschichte, deren Anfänge liegen jedoch 25 Jahre zurück. Auf Initiative von Wilhelm Reiter, damals Landesvorsitzender der Landsmannschaft in Baden-Württemberg, kam es zwischen Weihnachten und Neujahr 1961/62 zu einem ersten Treffen der Banater Jugend in Linach im Schwarzwald. Diese Begegnung, bei der 40 Teilnehmer gezählt wurden, leitet einerseits die Reihe der Eingliederungsgespräche für jugendliche Spätaussiedler ein, die bis zur Jahreswende 1969/70 alljährlich veranstaltet wurden, andererseits markiert sie den Anfang des ersten Abschnitts der Jugendverbandsarbeit unserer Landsmannschaft, der das Jahrzehnt 1961-1970 einnimmt.

Beim ersten Bundesgruppentag der Banater Jugend in Blaubeuren (10./11. November 1962) wurden nach intensiven Beratungen die Ziele der zukünftigen Arbeit abgesteckt: Gründung einer Volkstanz- und Gesangsgruppe, Zusammenfassung der jungen Leute im Raum München, Einrichtung einer Jugendecke in der „Banater Post“, Organisation des Winterjugendlagers mit Eingliederungsgespräch in Bad Kissingen, Teilnahme der Jugend am Heimattag 1963. Dem in der „Banater Post“ erschienenen Bericht über den Bundesgruppentag der Banater Jugend ist zu entnehmen, dass die Gruppe Mitglied der Deutschen Jugend des Ostens (DJO) war.

Das beim Treffen in Blaubeuren ins Auge gefasste zweite Eingliederungsgespräch für jugendliche Spätaussiedler in Bad Kissingen fand vom 27. Dezember 1962 bis 1. Januar 1963 in der Jugendbildungsstätte „Der Heiligenhof“ statt. Einer der Teilnehmer war Michael Koppi, damals 21 Jahre alt, später und bis heute aktiver Mitgestalter der landsmannschaftlichen Arbeit in der Heimatortsgemeinschaft Sackelhausen, im Kreisverband Reutlingen, im Landesverband Baden-Württemberg und im Bundesverband. Koppi, der 1961 mit seiner Familie nach Deutschland ausgereist war, stellte uns das hier veröffentlichte Foto zur Verfügung und berichtete bei einem Besuch in der Redaktion von diesem einwöchigen Eingliederungsseminar.

Für die Programmgestaltung und Leitung war Wilhelm Reiter verantwortlich. Das Seminar umfasste mehrere Vorträge, eine Autorenlesung mit Nikolaus Engelmann, eine Filmvorführung über Franken, eine Fahrt an die Zonengrenze, gemütliches Beisammensein der Jugend mit Tanz und die Silvesterfeier.
Der Lehrer und Schriftsteller Nikolaus Engelmann sprach über die deutsche Südostsiedlung, Wilhelm Reiter gab einen Überblick über die Entwicklung Deutschlands seit 1945, Regierungsdirektor Michael Stocker, Landesvorsitzender der Landsmannschaft in Bayern und späterer Bundesvorsitzender, referierte über die rechtsstaatliche Ordnung der Bundesrepublik Deutschland, während Regierungslandwirtschaftsrat Josef Komanschek, Beirat im Bundesvorstand der Landsmannschaft, über die politischen Parteien als Säulen der demokratischen Staatsordnung sprach. Die Aufgaben und Ziele der Landsmannschaft erläuterte deren Bundesgeschäftsführer Hans Huniar. An jeden Vortrag schloss sich eine Diskussionsrunde an, an der sich die Jugendlichen engagiert beteiligten.

Auf reges Interesse stieß die Autorenlesung. Nikolaus Engelmann bot Kostproben aus seinem eigenen Werk (Erzählungen, Schwänke, Anekdoten) und trug Mundartgedichte von Hans Wolfram Hockl vor. Die Fahrt an die Zonengrenze, wo Stacheldraht und Wachtürme die Teilung Deutschlands und Europas augenscheinlich machten, hinterließ bei den Jugend-lichen einen tiefen Eindruck. In guter Erinnerung geblieben sind hingegen der gesellige Abend in der Gaststätte des Uiwarer Landsmannes Waldner in Bad Kissingen, der seinen Gästen Bratwurst mit Kren bot, sowie die unterhaltsame Silvesterfeier.

Dank des Engagements der Landsmannschaft und der Jugendreferenten Ortward Komanschek und Herwig Ludwig verstetigte sich die Jugendarbeit in den folgenden Jahren. Maßgeblich geprägt wurde sie von den Söhnen und Töchtern der damaligen landsmannschaftlichen Funktionsträger. Im Februar 1966 kam es in Göppingen zur Gründung einer Banater Jugendgruppe und zur Wahl eines Vorstandes, dem neben dem Jugendleiter Herwig Ludwig und seinen beiden Stellvertretern Rüdiger Schwerthöffer und Ewald Reiter noch Klaus Stocker, Volker Tießler, Helge Ludwig, Gertrud Stoffel, Ingrun Junker, Hanspeter Reiter, Hermann Schäfer und Michael Koppi angehörten.

Der alters- und berufsbedingte Rückzug einiger Aktiven führte um 1970 zu einem Bruch in der Gruppenarbeit, was einen Neuaufbau der Jugendarbeit ab 1978 notwendig machte.