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Banater Post

Gute Beziehungen zu Deutschland und den Deutschen im Banat (Teil 2)

Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk trägt sich ins Gästebuch des Lenauund Heimatmuseums in Lenauheim ein. Foto: Stefanie Schramm

Auf dem Besuchsprogramm des Bundesbeauftragten Hartmut Koschyk MdB stand auch das Banater Heimathaus in Billed, Sitz des deutschen Ortsforums und der seit 1994 bestehenden Sozialstation der AMG-Stiftung. Foto: Stefanie Schramm

Die Gräber deutscher Soldaten auf dem Lenauheimer Friedhof sind immer gepflegt. Dafür sorgt heute die HOG Lenauheim. Foto: Peter-Dietmar Leber

Im September 1944 hatte der Krieg auch das Banat erreicht. Ältere Lenauheimer erinnern sich noch daran, wie Dorfbewohner den deutschen Soldaten entlang der Torontaler Straße Lebensmittel brachten. Auf der Heimfahrt waren die Fuhrwerke mit Gefallenen beladen. Sie sind auf dem Friedhof in Lenauheim bestattet. Vom Eingang führt der Weg gleich rechts zu dieser Grabanlage am Rande des Friedhofes. Geburts- und Sterbedaten verraten, dass ihnen nur ein kurzes, ein sehr kurzes Leben beschieden war. An Allerheiligen waren auch diese Gräber stets mit Kerzen übersät.

Besichtigung des Heimatmuseums Lenauheim

Dass siebzig Jahre später ein Beauftragter der Bundesregierung, der rumänische Bürgermeister des Ortes und Vertreter der Landsmannschaft an diesen Gräbern stehen, bezeugt deren Respekt vor den Opfern. Um die Gräber, auf denen Astern blühen, kümmert sich heute die Heimatortsgemeinschaft Lenauheim (www.lenauheim.de) in Deutschland. Sie ist im Ort sehr aktiv. Vorsitzender Werner Griebel fährt mindestens zweimal im Jahr nach Lenauheim, pflegt eine gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Verbliebenen. Diese hatten vom Besuch aus Deutschland erfahren und sind nach der Sonntagsmesse vor der Kirche beisammen geblieben. Jede zweite Woche wird die Heilige Messe gefeiert.

Es sind ältere Menschen, eine zeitweilige Heimkehrerin aus Deutschland ist dabei, ebenso Elfriede Klein, die das Lenau-Museum im Ort betreut. Anders als die Mehrheit ihrer Landsleute, ist sie nach der Wende mit ihren Eltern und Geschwistern in Lenauheim geblieben. Ihre erwachsene Tochter lebt in Bayern. Bürgermeister Ilie Suciu spricht nach einigen vorsichtigen Sätzen den schwäbischen Dialekt, er ist unter schwäbischen Kindern in Johannisfeld aufgewachsen. Mangels Gelegenheit fehle ihm die Übung, beklagt er. Auf das Lenau-Museum ist er stolz und um die volkskundliche Ausstellung zur Geschichte der Banater Schwaben beneidet ihn mancher seiner Amtskollegen im Banat.

Hier verweilt auch Hartmut Koschyk, Jahrgang 1959, länger. Seine Eltern stammen aus Oberschlesien, er war Bundesvorsitzender der Schlesischen Jugend und mit 28 jungen Jahren Generalsekretär des Bundes der Vertriebenen. Mit Geschichte und Kultur der Deutschen im Osten und Südosten ist er vertraut. Nachdem er als Bundestagsabgeordneter, Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestags und Staatssekretär im Bundesfinanzministerium mit anderen Aufgaben betraut war, kommt ihm als Bundesbeauftragter für nationale Minderheiten und deutsche Aussiedler nicht nur seine langjährige Erfahrung zugute, sondern auch seine große Empathie für diese gesellschaftliche Gruppen. Deshalb sind die Begegnungen im Banat sehr herzlich.

Gespräche im Banater Heimathaus Billed

Nach Billed drängt an diesem Tag Peter Krier. Er war es, der nach der Wende 1989 dafür gesorgt hatte, dass das Haus des Deutschen Ostens in München Mittel für die Renovierung des ehemaligen Rentamtes in Lenauheim zur Verfügung gestellt hatte, in dem sich das Lenau-Museum befindet. In Billed erreichte er, dass Restitutionsansprüche des nach dem Krieg nach Brasilien ausgewanderten Banater Schwaben Nikolaus Schmidt durch- und umgesetzt wurden. Nikolaus Schmidt schenkte Haus und Grund der Heimatortsgemeinschaft Billed, die wahrscheinlich die einzige HOG unserer Landsmannschaft ist, die im Banat im Besitz eines solchen Anwesens ist. Deshalb ist unter der Internetseite www.heimathaus-billed.de die HOG, das Forum und auch sonst vieles zu finden, was mit diesem Ort in einem Zusammenhang steht.

Da Eigentum verpflichtet, hat in dem Haus das Demokratische Forum der Deutschen seinen Sitz, werden hier die Mahlzeiten für alte und bedürftige Landsleute zubereitet, treffen sich hier jeden Sonntag die verbliebenen Landsleute, stehen drei Gästezimmer mit Doppelbett und Dusche den Gästen zur Verfügung. Bei der letzten Volkszählung 2011 wurden 85 Deutsche im Ort gezählt und das bei 3294 Einwohnern. Sie sind anerkannt und werden respektiert. Forumsvorsitzender Adam Csonti gehört seit Jahren ununterbrochen dem Gemeinderat an, seine Frau leitet die Sozialstation Billed der AMG-Stiftung.

Im kommenden Jahr wird am letzten Augustwochenende ein großes Fest stattfinden: 250 Jahre seit der deutschen Ansiedlung und der Gründung des einstigen Musterdorfes sind für HOG, Forum und Gemeinde Anlass zu feiern. In einem Nebengebäude wird bei dieser Gelegenheit ein kleines Museum zur
Geschichte der Deutschen in Billed seine Türen öffnen. Die Banat-Reiseroute wird für ausgewanderte Banater Schwaben und deren Nachkommen um eine weitere Sehenswürdigkeit erweitert. Man hört im Banat viel von ähnlichen Projekten in anderen Rathäusern im Banat, aber hier waren es Forum und HOG, die gemeinsam aktiv wurden und das Projekt in Eigenregie bewältigen, sagt HOG-Vorsitzender Werner Gilde.

An diesem Sonntag, Ende September, ist das Billeder Heimathaus wieder gut besucht. Die Männer spielen Karten, in der Küche duftet es verlockend, in der Laube im Hof hat Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk zum Gespräch eingeladen. Das Ehepaar Roswitha und Adam Csonti ist da, ihre Nichte Silke Csonti, Jahrgang 1989 und Studentin, als Vertreterin der jungen Generation, Brunhilde Klein, Dietlinde Huhn mit ihrem Mann aus Großsanktnikolaus, Peter Trendler, 88 Jahre alt, nach Russland und in den Bărăgan deportiert, Helmut Weinschrott von der Adam Müller-Guttenbrunn Stiftung sowie die Delegation aus Deutschland.

Hartmut Koschyk will Mut machen, fragt nach, wie die Jugend, wie die Absolventen deutschsprachiger Schulen eingebunden werden. Er drängt darauf, den Begriff der Jugendarbeit nicht nur auf Volkstanz zu begrenzen, plädiert für einen breiteren Ansatz, nämlich die Jugend dort abzuholen, wo sie mit ihren
Interessen stehe. Er erfährt von zwei Veranstaltungen – Kochen und Wandern –, wo das ganz gut geklappt habe, aber auch von dem Problem, dass sich nach dem Schulbesuch die Wege und damit auch dort entstandene Gemeinschaften trennen.

Peter Trendler kann diesem Thema nicht mehr viel abgewinnen. Er ist froh, dass er über das Deutsche Forum Ansprache erfährt, sein warmes Mittagessen erhält und mit den Verbliebenen seine letzten Jahre in Würde in seinem Heimatort verbringen darf. Die Billeder kennen ihn als den Störche-Zähler. Akribisch führte er über Jahrzehnte hinweg über jedes Storchennest und das Verhalten der Tiere Buch. Einem Wissenschaftler in Temeswar dienten seine Aufzeichnungen als Grundlage für das Erlangen eines Doktortitels. Leider hatte er vergessen, die ausgeliehenen Unterlagen zurückzubringen, was Peter Trendler dazu veranlasste, nichts mehr über die Tiere zu schreiben. Diese kommen aber immer noch und gerne nach Billed, wie ein Blick über die Strom- und Telefonmasten oder die großen Schornsteine unschwer verrät. Überall sind ihre großen Nester zu sehen.

Besuch einer Theateraufführung im DSTT

Das Deutsche Staatstheater Temeswar (DSTT, www.dstt.ro) ist eine traditionsreiche Bühne, über die schon viel geschrieben worden ist. Dass das Theater aber auch heute eine erste Adresse im Temeswarer Kulturleben ist, merkt man an diesem Sonntagabend beim Blick in den Theatersaal. Ein städtisches, ein junges und interessiertes Publikum sitzt erwartungsvoll da, dabei einige Banater Schwaben aus Deutschland, die hier ihren Urlaub verbringen. Mit Herta Müllers „Niederungen“ in der Inszenierung von Niky Wolcz wird die neue Spielzeit eröffnet und obwohl das Stück bereits 25 Mal in Temeswar aufgeführt wurde, ist der Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Das Bühnenbild von Helmut Stürmer ist modern, die Konfliktlinien des Stückes werden dynamisch aufgebrochen, fordern heraus – es ließe sich trefflich darüber streiten.

Hartmut Koschyk trifft den Intendanten des DSTT, Lucian Vărşăndan – Jahrgang 1975, Absolvent des Lenau-Lyzeums, Studium der Germanistik und Anglistik in Temeswar und Marburg – zweimal zum Gespräch. Vor der Aufführung hört er beeindruckende Zahlen und Aussagen über die Arbeit einer jungen Bühne, die es geschafft hat, sich neu zu erfinden. Ihre Angehörigen sind größtenteils junge Rumänen, die deutschsprachige Schulen absolviert, an deutschen und internationalen Universitäten studiert oder Praktika absolviert haben, die eine neue, mobile, moderne und städtische Generation verkörpern.

Wie überall auf der Welt wird auch dieses Theater von der öffentlichen Hand gefördert. Deshalb kann es auch über 100 Angestellte beschäftigen und zwischen fünf und sieben Premieren pro Spielzeit produzieren. Die Saalauslastung liegt bei 80 Prozent, in absoluten Zahlen ausgedrückt bei 10 000 Zuschauern. Zuschauer, die des Deutschen nicht mächtig sind, haben die Möglichkeit mittels Kopfhörer die Aufführungen in Simultanübersetzung zu verfolgen. Auch an diesem Abend wurde davon Gebrauch gemacht.

Das Theater ist auf Gastspielen im In- und Ausland vertreten, veranstaltet seit 2009 das Europäische Theaterfestival „Eurothalia“, das jeden Herbst einige der interessantesten Aufführungen aus Rumänien und dem Ausland nach Temeswar holt. Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk hat für diese Arbeit nur lobende Worte parat und bescheinigt der Bühne, mit dieser Arbeit überall reüssieren zu können.

Im Deutschen Kulturzentrum Temeswar

Noch sehr jung an Jahren, aber einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Deutsche Kulturzentrum Temeswar (www.ccgtm.ro) in der Dr.-Liviu-Gabor-Straße 1, zentral hinter dem Kinderkrankenhaus gelegen. Menschen vor Ort sollen an die deutsche Kultur und Sprache herangeführt werden. Das Team unter der Leitung von Alina Baciu ist jung, kreativ und motiviert. Vom Goethe-Institut wurde das Zentrum für Deutsch-Sprachkurse bis zur Stufe C 1 zertifiziert, auf der bereits komplexe Satzstrukturen und Texte verstanden werden. Mehr als 1000 Kursteilnehmer werden im Jahr gezählt, ein Deutsch-Kurs kostet bis zu 180 Euro. „Das ist viel Geld, aber die Teilnehmer strengen sich dann auch entsprechend an“, sagt Alina Baciu. Dem Kulturzentrum geht es darum, ein aktuelles Deutschlandbild in seiner großen Vielfalt zu vermitteln. Die Bibliothek ist gut ausgestattet, die wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres liegen aus. Des Weiteren werden kulturelle Veranstaltungen mit Film, Konzert und Ausstellungen organisiert. Neben Erwachsenenbildung bietet das Kulturzentrum auch Kinderworkshops und Theaterausbildungen an und verfügt sogar über eine Kinderbibliothek.

Seit 2002 besteht diese Einrichtung als öffentlich-private Partnerschaft zwischen dem Auswärtigen Amt und der Robert Bosch Stiftung. Aufgebaut wurde es übrigens von Senta Höfer, mit Banater Wurzeln in Bukarest geboren, heute in Berlin tätig. Träger des Zentrums in Temeswar ist der Verein Rumänisch-Deutsche Kulturgesellschaft, dem Dan Cărămidariu vorsteht. Der Temeswarer – Jahrgang 1983, Absolvent des Lenau-Lyzeums, Studium der Wirtschaftswissenschaften in Temeswar und Hamburg – war von 2006 bis 2008 Chefredakteur der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien.

Deutsche Kulturzentren gleicher Art funktionieren auch in Klausenburg, Hermannstadt, Kronstadt und Jassy, während in der Landeshauptstadt Bukarest ein Goethe-Institut ähnliche Aufgaben wahrnimmt.