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Banater Post

Impressionen einer Reise ins Banat (Teil 2)

Die Wallfahrtskirche Maria Radna ist von Gerüsten und Schutzplanen eingehüllt, davor sind Baugeräte und -materialien gelagert.

Die Kirchweih in Sanktanna ist das größte heute noch stattfindende Fest dieser Art im Banat. Fotos: Alexander Stocker

Banatschwäbische Traditionen und rumänische Gastfreundschaft erlebt

Wallfahrt in Maria Radna

Samstag vor dem ersten Augustsonntag dann der festliche Gottesdienst in Maria Radna. Die prächtige Wallfahrtskirche ist dick eingehüllt von Gerüsten und Schutzplanen. Vor der Kirche Bauhütten, Gerät, Baumaterial, Arbeiter. Dennoch lässt sich im Kirchenraum Gottesdienst feiern, und der war tatsächlich hochfeierlich. Die Kirche ist über den letzten Platz hinaus dicht gefüllt mit Menschen. Nach dem Mariensingen ziehen die Geistlichen mit dem liturgischen Dienst ein. Hauptzelebrant und Prediger ist Weihbischof Reinhard Hauke aus Erfurt. In seiner Predigt erzählt er zunächst kurz von der Vertreibung seiner Familie aus Schlesien, da können die Banater Schwaben gut mitfühlen. In der ehemaligen DDR, also in offiziell gottloser Umgebung, erfährt er seine Berufung zum Priestertum. Er erzählt dann aber auch von den Chancen der Christus-Verkündigung in Erfurt, in unserer Zeit und unserer Welt. Die Kirche könne sich heute, so der Weihbischof, nicht mehr so sehr auf gewachsene volkskirchliche Traditionen stützen, die Kirche müsse sich einfach und bescheiden dem Menschen zuwenden und ihm die Frohbotschaft von Jesus Christus bringen. Eine solche Botschaft würde sowohl in Erfurt als auch anderswo verstanden. Die musikalische Gestaltung hatte der Organist Franz Metz mit den Solisten des Vortages übernommen. Den Volksgesang begleitete  die Banater Blaskapelle, die auch den Kirchweihtag am Sonntag in Sanktanna musikalisch mitgestaltete. Zum Schluss des Gottesdienstes verkündete der mitzelebrierende Bischof Martin Roos von Temeswar noch eine besondere frohe Botschaft: In einem Jahr sei die Renovierung von Maria Radna abgeschlossen und dann könne die Wallfahrtskirche neu geweiht werden.

Der Kirchweih-Festtag in Sanktanna ist schon angeklungen. Unsere Reisegruppe fuhr nach dem Gottesdienst in Richtung Sanktanna. Quartiere fanden wir bei den Nachbarn des Elternhauses von Anni und Marlene. Das Lehrer-Ehepaar Bont nahm den größeren Teil der Gruppe auf, Marlene und Alexander zogen beim anderen Nachbarn ein. Die Begrüßung und Aufnahme war ebenso herzlich und selbstverständlich wie bei der Pfarrersfamilie in Temeswar. Nun konnte die berühmte Kirchweih in Sanktanna beginnen.

Kirchweih in Sanktanna

Am Sonntagmorgen gingen wir rechtzeitig zu Fuß in Richtung Kirche. Kirchenzug unter Glockengeläut und mit Blasmusik: voraus die Kirchweihjugend in festlicher herkömmlicher Tracht mit Rosmarinstrauß, dann der liturgische Dienst und der Ortspfarrer mit zwei Konzelebranten, schließlich die Gemeinde. Die gottesdienstlichen Gesänge wurden begleitet von Orgel und Blasmusik. Die Festansprache, die der gebürtige Sanktannaer Pfarrer Karl Zirmer hielt, beschäftigte sich mit dem Thema Heilige Orte. Manche Orte habe sich Gott besonders ausgesucht und habe sie geheiligt, und dort suche auch der Mensch Gottes Gnade und seinen besonderen Segen, so auch an diesem Ort hier in der Kirche der hl. Mutter Anna. Den Gottesdienst beschloss eine schöne und erbauliche Rede, der sogenannte Kirchweihspruch des ersten Geldherrn, dann ging der Kirchweihzug zurück zum Pfarrhof. Dort gab es Blasmusik und die ersten Tänze. Die Hitze trieb nicht nur den Musikern und Tänzern den Schweiß ins Gesicht. Die dargereichten Getränke fanden reißenden Absatz: Hochprozentiges und Wasser. Ich griff mehr nach dem guten Wasser.

Am Nachmittag wurden Hut und Strauß versteigert und deren Erwerber feierlich nach Hause gespielt. Am Abend saßen wir vergnügt bei unseren Gastgebern, und als sich die Gruppe ins redlich verdiente Bett zurückzog, zog es Anni und Marlene doch noch zum Kirchweihtanz. Da konnten sie sich nach Herzenslust austoben und in jugendlichen Erinnerungen schwelgen. So was muss auch sein. Oder?

Bleibende Eindrücke

An den restlichen Tagen gab es verschiedene Unternehmungen: Eine Weinprobe mit der Erkenntnis, dass Rumänien auch hervorragende Weine produzieren kann; man kennt sie nur zu wenig. In Lippa sprudelt
eisenhaltiges Wasser hervor, das nicht nur vorzüglich erfrischt, sondern auch verschiedene Heilwirkungen in sich hat. An dieser beschaulichen Quelle saßen wir gerne, ruhten aus und füllten unsere Trinkflaschen.

Ich, als Hobby-Geologe, hatte meinen Blick immer auch auf Berghänge mit Gesteinsaufschlüssen gerichtet. An einer Stelle baut eine österreichische Firma Diorit zur Weiterverarbeitung ab. Wir stiegen den staubigen Fahrweg hinauf und ich holte mir ein „Handstück“ von der Größe einer Faust. „Passt gut in meine Sammlung“, sagte ich. Ein schöner Diorit, blau-grau!

Einige machten noch Besuche bei Freunden und alten Bekannten und suchten die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen auf. Den letzten Tag verbrachten die meisten nochmals in Temeswar, der schönen alten Stadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten. Und dann gab es noch einen geselligen Abend mit Zsombor und seiner Frau Gemahlin und Übernachtung im Pfarrhaus. Dann ab zum Flughafen.

Was bleibt an Eindrücken?
Mich hat sehr beeindruckt die weite, dunkle, fruchtbare Ackerfläche des Banats.
Mich hat sehr beeindruckt die Struktur des Dorfes und der Anwesen der deutschen Siedler im Banat. Sie verband auf ideale Weise das
Öffentlich-Kommunale mit dem Privat-Familiären.
Mich hat sehr beeindruckt die Gastfreundschaft, die wir bei unserem Aufenthalt bei den Menschen erfahren haben.
Mir ist auch wieder bewusst geworden, was unmenschliche Ideologien, wie die des Nationalsozialismus und des Kommunismus, an Unheil hervorbringen können: Krieg, Tod, Not und Feindschaft.
Mir ist auch wieder bewusst geworden, dass Versöhnung und Neuanfang möglich und nötig sind. Also packen wir es immer wieder an!
Und mein grau-blauer Diorit? Den habe ich am Flughafen nicht durch die Gepäckkontrolle gebracht. Ich hätte ihn in den Koffer packen und dann abgeben sollen. Aber im Handgepäck war er nicht erlaubt. Und so landete er in der Mülltonne der Sicherheitsbeamten. Mein schöner grau-blauer Diorit. Der Arme!