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Banater Post

Zur Geschichte der Donauschwaben

Der dritte Band der Gesamtdarstellung der donauschwäbischen Geschichte

Der dritte Band der Gesamtdarstellung der donauschwäbischen Geschichte auf wissenschaftlicher Basis liegt nun vor. „Staatstreu und volkstreu“ lautete die Devise, mit der die Donauschwaben – aufgeteilt auf die drei Nachfolgestaaten der Donaumonarchie: Jugoslawien, Ungarn und Rumänien – zwischen den beiden Weltkriegen ihre Identität als Volksgruppe zu behaupten versuchten. Es geht um das wechselhafte Schicksal einer mehrheitlich bäuerlich-konservativ geprägten Gruppe im Wirkbereich der nationalistischen, nationalfaschistischen und nationalsozialistischen Ideologien, die die Politik der Nachfolgestaaten nachhaltig prägten und in der Regel kein minoritätenfreundliches Klima erzeugten.

Eine volkstümliche Gesamtdarstellung der Geschichte der Donauschwaben aus der Feder des „Altmeisters“ der donauschwäbischen Geschichtsschreibung, Josef Volkmar Senz, liegt seit Jahrzehnten vor. Mit diesem dritten Band einer vierteiligen Reihe setzt die Donau-schwäbische Kulturstiftung München (Stiftung des privaten Rechts) ihr Unternehmen fort, erstmals auch eine mit wissenschaftlicher Methodik abgefasste Gesamtdarstellung der Geschichte der Donauschwaben der deutschsprachigen Öffentlichkeit vorzulegen. Der erste Band, der die Zeit der Ansiedlung (1689–1805) umfasst, ist 2006 im Verlag der Donauschwäbischen Kulturstiftung München erschienen. Der zweite Band, der die Zeit von 1806 bis 1918 verfolgt, konnte schon vor mehreren Jahren im Universitas-Verlag (München) herausgebracht werden.

Auf dreihundert Jahre Geschichte blicken die Donauschwaben inzwischen zurück. Sie begann nach Abwehr der Türken vor Wien 1683 und ihrer Zurückdrängung aus dem großungarischen Raum. Die habsburgischen Kaiser waren auch Könige von Ungarn. Die von ihnen initiierte Ansiedlung Deutscher aus den südwestlichen Teilen des Römischen Reiches deutscher Nation, aber auch kleinerer Gruppen aus Frankreich, Italien, Österreich und Böhmen ab der Schwelle zum 18. Jahrhundert war vielfältig motiviert. Sie hatte sowohl die kultivierende landwirtschaftliche und handwerklich-gewerbliche Aufbauarbeit als auch die Stabilisierung der defensiven Militärgrenze zum Ziel. Der vorliegende dritte Band behandelt die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und die Jahre des Zweiten Weltkrieges bis 1944, er thematisiert also die Zeitspanne von 1918 bis 1944.

Die Haupterschwernis der Abfassung einer donauschwäbischen Geschichte dieses Zeitraumes besteht darin, dass die Volksgruppe der Donauschwaben ab 1918 auf die drei „Nachfolgestaaten“ Ungarn, Rumänien und Jugoslawien aufgespaltet wurde und damit die einzelnen Teilgruppen, wie zu erwarten war, eine jeweils eigene Entwicklung nahm. Sie beanspruchen somit auch eine je eigene Darstellung. Daraus erklärt sich nicht zuletzt die hohe Zahl der Druckseiten des Buches und die Notwendigkeit der Zusammenarbeit sachkundiger Autoren. Da es die Darstellung der drei ethnisch identischen Gruppen in einem Band vereint, ermöglicht es eine rasche, quellengestützte Information über das Wesentliche ihrer Geschichte in einem Zeitraum, der vom Nationalismus der Staatsnationen, von wenig minderheitenfreundlicher Politik, vom Auftreten nationalfaschistischer Regierungsparteien und der Einflussnahme des Nationalsozialismus auf die Volksgruppen geprägt ist.

Die Tragödie der Donauschwaben führt sich zu einem guten Teil auf die Tatsache zurück, dass ihre „völkischen“ Bestrebungen nicht gewürdigt oder falsch interpretiert wurden. Bevor er von den Nationalsozialisten gewissermaßen usurpiert wurde, kennzeichnete nach damaligem Sprachgebrauch der Ausdruck „völkisch“ die Bestrebungen der Minoritäten zur Wahrung ihrer Identität und Muttersprache.

Es ist gutes Recht der Donauschwaben, über ihre eigene Geschichte mit einem Vorschuss an Wohlwollen zu reflektieren, zumal – wie die Erfahrung zeigt – andersnationale und auch heimische Autoren versucht sind, durch Verallgemeinerung und Aufbauschung von Teilfakten die wachsende Loyalität dieser Volksgruppe zu ihren neuen Heimatstaaten – den Nachfolgestaaten der Donaumonarchie – in Zweifel zu ziehen und sie möglichst weit ins „rechte Eck“ zu rücken. Die methodische Vorgangsweise ist dem Zweck verpflichtet, möglichst viele wesentliche Fakten zur Kenntnis zu bringen oder neu zu beleuchten. Es ist daher weitgehend anderen, namentlich akademischen Publikationen überlassen, die epochalen Linien der Geschichte einer vergleichsweise kleinen Gruppe und ihre gesamteuropäische Bedeutung herauszustellen. Der Akzent liegt auf der Veröffentlichung der detailreichen Geschichte von unten“.

Georg Wildmann: Donauschwäbische Geschichte Band III: Die Tragödie der Selbstbehauptung im Wirkfeld des Nationalismus der Nachfolgestaaten 1918–44, unter Mitarbeit von Oskar Feldtänzer, Kaspar Hügel, Hans Müller und Friedrich Spiegel-Schmidt, München 2010, 807 Seiten. ISBN 978-3-926276-73-5, erschienen im Verlag Donauschwäbische Kulturstiftung, München. Bestelladresse: Landsmannschaft der Banater Schwaben, Sendlinger Straße 46, 80331 München, Telefon 089 / 2355730. 34 Euro zuzügl. Versand.