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Banater Post

Und über uns der blaue endlose Himmel - Teil 1

... angekommen in der »neuen Heimat«

Eine Karte von Rumänien mit dem hervorgehobenen Gebietsstreifen im Westen, aus dem die Betroffenen ausgesiedelt wurden, und dem Gebiet im Osten, wohin die Deportierten gebracht wurden.

Speisezimmer und Wohnraum für die ganze Familie. Einsender der Fotos: Verfasser

Sechzig Jahre seit der Deportation von Bewohnern der Banater Grenzzone in die Baragansteppe Rumäniens.

Nachdem Rumänien am 23. August 1944 aus dem Bündnis mit Deutschland ausgetreten war, Waffenstillstand mit Sowjetrußland geschlossen hatte und sich anschließend am Krieg gegen seinen vormaligen Verbündeten beteiligte, begann für die zu diesem Zeitpunkt noch 470 000 Personen zählenden Rumäniendeutschen die leidvollste Zeit ihrer Jahrhunderte währenden Geschichte. Infolge eines Staatsvertrages zwischen Deutschland und Rumänien rückten ein Jahr zuvor 60000 wehrfähige Jugendliche und Männer aus den Reihen der Volksdeutschen zur Deutschen Armee ein. Bald nach dem Austritt Rumäniens aus dem Bündnis mit Deutschland begannen Verfolgungen und Verhaftungen zahlreicher Volksdeutscher. Zuerst wurden die Amtswalter der Volksgruppe verhaftet, soweit man ihrer habhaft wurde und sie nicht geflüchtet oder untergetaucht waren. Gemeinsam mit anderen exponierten Intellektuellen, Großkaufleuten, Industriellen, Gutsbesitzern und Großbauern sperrte man sie in die Internierungslager von Targu-Jiu und Slobozia oder in Gefängnisse ein. Für politisch Verfolgte herrschte an diesen Orten Hunger, Folter und oft auch der Tod.

Im Januar 1945 verhafteten die rumänischen Behörden 75000 volksdeutsche arbeitsfähige Mädchen, Frauen, Burschen und Männer, um sie den Russen zu übergeben. Diese verfrachteten sie in Güterwaggons und deportierten sie unter unmenschlichen Bedingungen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion. Die, die dort nicht an Unterernährung, Krankheiten, menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und Lagerverhältnissen starben, durften Ende 1949 heimkehren. Im Banat und in Siebenbürgen blieben 1945 alte Leute und Kinder, deren Väter bei der Deutschen Armee dienten und deren Mütter nach Russland verschleppt worden waren. Hätten sich nicht Verwandte, Bekannte oder Nachbarn dieser jetzt elternloser Kinder angenommen, wären sie auf der Straße verkommen und verhungert. Alle hatten ein schweres Los zu tragen, weil Plünderungen, weitere Verhaftungen und Schikanen an der Tagesordnung waren.

Im März 1945 folgte ein weiterer Schlag, nämlich die totale und entschädigungslose Enteignung der gesamten deutschen Bauernschaft Rumäniens. Gemeinsam mit dem Ackerfeld wurden ihnen auch die Pferde, alle landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte, das Haus und der Hof enteignet. Alle Güter verteilte man an die zugewanderten Rumänen, für die in den von Deutschen bewohnten Häusern Wohnraum abgetreten werden musste. Sie fühlten sich nachher als Herr im Hause und ließen das den vormaligen deutschen Besitzer oft auf unangenehme Weise spüren.

Im Sommer 1948, nachdem Ende 1947 der König das Land verlassen musste und die Volksrepublik ausgerufen wurde, begann die entschädigungslose Verstaatlichung des Handels und der Industrie, ein Jahr darauf die Kollektivierung der Landwirtschaft. Diese Enteignungen und Verstaatlichungen stürzten die bereits politisch entrechteten Volksdeutschen Rumäniens vollends in eine wirtschaftliche Ohnmacht und raubten ihnen die Grundlagen ihrer materiellen Existenz. In diesen wirren Jahren zwischen 1945 und 1950 erging es den unter schwierigsten Bedingungen aus Deutschland oder aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Rumäniendeutschen, die ihren Militärdienst bei der Deutschen Armee geleistet hatten, sehr schlecht. Größtenteils wurden sie verhaftet und eingesperrt, ungeachtet dessen, dass sie aus sowjetischen Kriegsgefangenenlagern entlassen und ganz legal heimgekehrt waren. Viele, die aus dem Westen heimkehren wollten und es bis an die ungarisch-rumänische Grenze geschafft hatten, wurden beim Überschreiten der Grenze von rumänischen Grenzern erschossen. Die, die es trotz der Schikanen fertigbrachten, nach Hause zu kommen und in den Dörfern der Grenzzone wohnten, wurden gemeinsam mit ihren Familienangehörigen ein weiteres Mal bestraft: sie wurden in die Baragansteppe, ein im Südosten Rumäniens gelegenes dünn besiedeltes Gebiet mit heißen Sommern und kalten und stürmischen Wintern zwangsumgesiedelt.

Ich kehrte nach über vierjähriger Kriegsgefangenschaft aus Russland heim und fand eine Anstellung in dem innerhalb der Grenzzone gelegenem Banater deutschen Dorf Billed, wo ich nach einem Jahr auch geheiratet habe. Hätte ich damals geahnt, was mir in einigen Monaten bevorstehen wird, wäre ich sofort aus der Grenzzone weggezogen. Genau 18 Monate, nachdem die letzten Rußlandverschleppten, unter denen sich auch meine Frau mit ihrer Schwester befand, begann für viele Tausende Volksdeutsche aus dem rumänischen Banat ein neuer Leidensweg. Die zwangsweise und mit Unterstützung des Innenministeriums (Miliz und Securitate) durchgeführte Umsiedlung aus der Banater Grenzzone in dieses Steppengebiet betraf besonders jene Menschen, die den Kommunismus ablehnten und deshalb von den Vertretern der kommunistischen Ideologie zu Klassenfeinden und Ausbeutern gestempelt worden waren. Dazu gehörten aus der Sicht der Kommunisten auch die Volksdeutschen, die im Zweiten Weltkrieg in der Deutschen Armee gedient hatten, samt ihren Familienangehörigen. Mit der Verschleppungsaktion sollten alle sogenannten Staatsfeinde aus dem öffentlichen und politischen Leben ausgeschaltet und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden. Zugleich bezweckte man mit der Verschleppunksaktion, dünn besiedelte bislang unterentwickelte Landstriche im Südosten Rumäniens wirtschaftlich zu stärken.

„Die Säuberung der rumänischen Grenzzone entlang der jugoslawischen Grenze von politisch unzuverlässigen Elementen“, wie es die Kommunisten nannten, stand auch im direkten Zusammenhang mit einem Konflikt zwischen Stalin und Tito, der zum Ausschluss der Kommunistischen Partei Jugoslawiens aus der Kominform geführt hatte. Tito wollte ohne russische Vormundschaft den Kommunismus in seinem Land aufbauen und widersprach damit den von Stalin vertretenen Grundsätzen und Ansichten. Rumänien, das sich jetzt der vollen sowjetischen Rückendeckung und Hilfsbereitschaft bewusst war, sah den Zeitpunkt eines plausiblen Vorwands gekommen, seine vermutlichen Feinde und damit auch die ehemaligen Angehörigen der Deutschen Armee mindestens aus den Dörfern in der Grenzzone materiell zu schädigen und sie für den Staat arbeiten zu lassen. Das Zerwürfnis mit Tito und der Vorwand, die Grenze zu Jugoslawien sichern zu müssen, lieferte einen weiteren Grund für die Deportation Zehntausender Menschen, darunter neben Banater Schwaben auch Rumänen, Serben und Angehörige anderer Nationalitäten. Der eigentliche Grund jedoch war ein ganz anderer, nämlich der schon 1949 auf dem Plenum der Kommunisten gefasste Beschluss, „Klassenfeinde“ unschädlich zu machen.

Diese Zwangsumsiedlungsmaßnahmen betraf den gesamten jugoslawisch-rumänischen Grenzstreifen von ungefähr 25–30 Kilometer Breite. Im nordwestlichen Banat war dieser Streifen willkürlich bis auf 40 Kilometer landeinwärts ausgedehnt worden, um so auch die dort auf der Banater Heide gelegenen wohlhabenden deutschen Dörfer in die Deportation mit einbeziehen zu können. Betroffen waren laut Angaben der seit 1990 im Banat bestehenden Vereinigung der ehemaligen Baragan-Deportierten insgesamt 172 Orte aus dem Banat. Laut den bis jetzt bekannten Unterlagen wurden 12791 Familien mit 40320 Personen deportiert. In der Baragansteppe wurden 18 neue Dörfer gegründet, die von den Verschleppten eigenhändig aufgebaut werden mussten. Bemerkenswert ist, dass behördlicherseits niemals das zutreffende Wort „Deportierte“, sondern immer nur die Begriffe „Evakuierte“ oder „Umgesiedelte“ verwendet wurden. Das beweist, dass nach außen hin und dem Ausland gegenüber dies brutale und menschenverachtende Aktion beschönigt werden sollte.

Fortsetzung folgt