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Banater Post

Ein bildhafter Interpret der »conditio humana«

Eine Neuerscheinung des laufenden Jahres ist der bereits fünfte in der Kunst-Reihe des Banat-Verlags Erding erschienene Band. Konzeption des Bandes, einfühlsame Einführung, Qualität des Papiers, des Druckes und der Reproduktionen überzeugen und rücken den 1936 in Kronstadt geborenen und seit seiner Kindheit im Banat lebenden und bis zu seiner Übersiedlung 1980 nach Deutschland dort wirkenden Künstler mit vorzüglichen Mitteln ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Er hat nach seiner Ausbildung an der Bukarester Kunstakademie (Abteilung Monumentalmalerei) als Assistent und Dozent an der Zeichenfakultät der Universität Temeswar und von 1978 bis zum Verlassen des Landes als Bühnenbildner am Nationaltheater Temeswar gewirkt. Er hat bereits im Banat mit seinen der Kunstrichtung des Surrealismus zugeordneten Bildern viel Aufsehen erregt. Seine Teilnahme 1974 an der repräsentativen Gruppenausstellung „Rumänischer Surrealismus“ in Bonn und Düsseldorf hat ihn dieser, sich in der Tradition von Dalì, de Chirico, Ernst und Bosch bewegenden künstlerischen Strömung verschrieben. Jedoch verwahrt sich der Künstler gegen diese Einstufung, denn er sieht sich als Vertreter des phantastischen Realismus’. Die Einsetzung der Phantasie ist es, die ihm die Schaffung einer eigenen, jenseits des „sozialistischen Realismus’“ zu situierenden Bilder-Welt ermöglicht. Der den surrealistischen Elementen zugesteuerte Zusatzstoff Phantasie ermöglicht es dem Künstler außerdem – verhüllend und erkennbar machend – Kritik an der Gegenwart zu üben. Doris Schmidts Intuition in ihrer Betrachtung von 1981 in der Süddeutschen Zeitung trifft somit zu, wenn sie anhand von Schreibers Bild „Die Komödianten“ Untergangsvisionen des Künstlers feststellt, „die sich kaum allein aus der surrealistischen Ästhetik erklären lassen“.

Friedrich Schreiber gibt auf dem Umschlagblatt Stützen zum besseren Verständnis seiner Bilder, die er vier Themenkreisen zuschreibt. Zweifelsohne ist der aus dem Banat bzw. aus Rumänien stammende Betrachter der beste Deuter des phantastischen Realismus’ der auf Rumänien bezogenen Bilder von Friedrich Schreiber. Er versteht und identifiziert sich mit seinen Themen (Bedrohung, Verfolgung, Überwachung, Ab- und Verhörmethoden, Eingeschlossensein, Freiheitsdrang, Machtwahn, erzwungene Glorifizierung, Aufruhr, stürzende Mauern und Throne), erkennt den eigenen perspektivlosen Lebensraum von einst, kann die Einsetzung düsterer Töne nachvollziehen, die am besten dem damaligen, hinter Schranken gezwängten eigenen Leben entsprechen. Dabei ist die Symbolik der Architektur (Wände und Mauern, die den Weg versperren, Stufen, die ins Nichts führen) ein zentrales Mittel zur Verdeutlichung des Eingeschlossenseins jenseits von Landesgrenzen.

Ihm ist es hervorragend gelungen, seine Malerei dem neuen Identifikationsraum Deutschland zuzuführen. Als Lehrbeauftragter am Institut für Kunsterziehung der Universität Regensburg nimmt er bald schon an den Ausstellungen des Berufsverbandes Bildender Künstler und der Künstlergilde Esslingen teil. Die Auseinandersetzung mit dem Erschreckenden in unserer Gegenwart tritt als mehrheitliche thematische Verlagerung im Bildband auf. So sprechen Bilder über Entzug des Daseins, Entfremdung der Natur, Vorgang der Verwüstung, Überschwemmung mit Informationen, Genmanipulationen u. a. m. Die Unwirklichkeit wird als erlebte Nähe dargestellt, ins Detail gehend, mit beinahe wissenschaftlicher Akribie, aber phantastisch in der Verbindung einzelner Teile. Zeit mit ihrem Messer, die Uhr, sowie Raum als geheimnisvolle Rahmen menschlichen Daseins sind beinahe Konstanten der künstlerischen Auslegung. Wenn er sich auch zum Teil vorgegebenen Elementen mythologischer (Prometheus, Ikarus, Zyklop) oder symbolischer Prägung (u. a. die als teatrum mundi, als Bühne aufgefasste Welt), der Fabel und Karikatur bedient, schafft Schreiber immer Einheitliches mit eigenständigen philosophischen Qualitäten.

Das Zusammenführen mehrerer Blickwinkel und gestalterischer Elemente gehört zu seiner Technik wie auch der Aufbau von Kompositionen mit eigener Poetik. Poetisch und suggestiv sind auch die Bildtitel. Kennzeichnend für einen Teil der bereits in Deutschland entstandenen Bilder ist der Raster, entstehend aus geometrischen Elementen, die als eine neue Technik der Verfremdung über die Bilder gespannt wird. Insgesamt ist es eine wenig erbauliche bildhafte Kunde, die Schreiber über die Bedingungen menschlichen Daseins präsentiert. Er umschreibt eine verdammenswerte Welt, wirft Fragen über unsere Stellung in ihr auf und warnt vor dem Abgründigen. Dennnoch schmuggelt er in lebensabweisende Räume geschickt einen Hauch Hoffnung (flatternde Sonnensegel über eine im Tode erstarrte Frauengestalt, weiße Taube, usw.). Der Herausgeber Dr. Walther Konschitzky hat einen Band veröffentlicht, der ihn ehrt.

Der Bildband „Friedrich Schreiber – Maler und Grafiker“ kann im Banat-Verlag Erding zum Preis von 25 Euro (zuzüglich Versandkosten) bestellt werden (Zugspitzstrasse 64, 85435 Erding, Telefon 08122 / 2293422 oder E-Mail banatverlag@gmx.de).