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Banater Post

Nicht vergebens bemüht

Adelheid Prexl

Adelheid Prexl zum 80. Geburtstag

Ohne je die Stimme zu heben, war „die Prexl“ für Generationen von Lenau-Schülern eine Respektsperson. Ihre Autorität kam von ihrer Professionalität und Sachlichkeit, ihre Erfolge lassen sich an den zahlreichen Ärzten, Apothekern und Chemikern messen, bei denen sie die Grundlagen der Chemie einst in fruchtbaren Boden gesetzt hat. Adelheid Menrath wurde am 23. Mai 1930 in Temeswar geboren. Sie absolvierte in der ersten Generation 1949 das Deutsche Lyzeum, das später zur Lenau-Schule werden sollte. In Klausenburg studierte sie danach als „kleine Schwäbin“ in einer Gruppe Siebenbürger Sachsen das Fach Chemie. Die junge Absolventin kam schon 1955 wieder als Lehrerin an ihre alte Schule zurück und bemühte sich fortan 26 Jahre lang um die chemische Bildung von insgesamt etwa 4000 Lenau-Schülern an der Tages- und der Abendschule. Letztere lagen ihr besonders am Herzen, weil sie ihr williges und engagiertes Bemühen unter oft widrigen Bedingungen zu schätzen wusste.

Nicht für alle Lenau-Schüler war die Chemie eine Herzensangelegenheit, doch alle nahmen „die Prexl“ stets ernst. Denn jeder merkte, dass es ihr um die Sache ging und dass sie sich um eine gerechte Behandlung der Schüler bemühte. In ihrem Unterricht waren weder Haarbänder noch die korrekte Uniform ein Thema. Es gab auch keine Vornamen – selbst die eigene Tochter war „die Schülerin Prexl“ –; nur das Periodensystem und der Unterrichtsstoff zählten. Ihre Sachlichkeit war aber niemals abweisend, ihr Verzicht auf verbale Emotionsäußerungen kein Mangel an persönlicher Anteilnahme. Sehr wohl erkannte sie jedoch die chemischen Fähigkeiten und Unfähigkeiten ihrer Schüler, und ihr selektives Gedächtnis bewahrt noch heute vor allem die Erinnerung an die „Besten“ und an die „Uninteressiertesten“ auf.

Die Lenau-Karriere von Adelheid Prexl wurde 1981 beendet, als sie infolge ihres Ausreiseantrags aus dem Schuldienst entlassen wurde. 1983 konnte sie Rumänien mit ihrer Familie verlassen. Ein ehemaliger Schüler verhalf ihr zur Überbrückung der Zeit bis zur Rente zu einer Anstellung in einem chemischen Betrieb im Raum Stuttgart, dessen Leiter er war. In der Rente spielt die Chemie nun keine Rolle mehr in ihrem Leonberger Leben; kulturelle und schöngeistige Interessen wie Reisen, Konzerte, Theater und Literatur haben Vorrang. Doch über Kontakte mit ehemaligen Schülern hat sie viele Lebenswege und Entwicklungen verfolgt und die Genugtuung erfahren, dass ihr Bemühen in vielen Fällen nicht vergeblich war. Das kann sicher auch der eine oder andere ehemalige Lenau-Schüler bestätigen, der – wie ich –  trotz eigentlich andersartiger Interessen, auch in Chemie keine ganz schlechte Figur machte.

Der Verein der Freunde der Lenau-Schule wünscht der Chemie-Prexl zum 80. Geburtstag alles Gute und noch viele beschauliche und geistig aktive Jahre, um die Früchte eines erfüllten Lebens zu genießen.