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Banater Post

Banater Kulturzeitschrift erstmalig digitalisiert

Allen, die am literarischen Leben der Banater Schwaben zu Beginn des 20. Jahrhunderts interessiert sind, ist die Zeitschrift „Von der Heide“ ein Begriff. Die erste Ausgabe dieser „illustrierten Monatsschrift für Kultur und Leben“  erschien im Februar 1909 in Temeswar. Ihr Initiator und Herausgeber war der Journalist, Dichter und Übersetzer Viktor Orendi-Hommenau (1870–1954). Mit großem persönlichen Engagement und viel Begeisterung für Literatur, aber auch unter großen wirtschaftlichen Nöten und Zwängen gab er die Zeitschrift mit einigen mehr oder weniger großen Unterbrechungen zwischen 1909 und 1937 heraus. Durch seine Kontakte zu Schriftstellern und Kulturschaffenden des Banats gelang es ihm,  die Autoren Otto Alscher, Josef Gabriel, Stephan Hartenstein,  Peter Jung, Franz Xaver Kappus, Adam Müller-Guttenbrunn und  Nikolaus Schmidt als Mitarbeiter für die Zeitschrift zu gewinnen. Die Zeitschrift erschien monatlich, die Auflage umfasste zunächst 200 Exemplare, stieg dann zeitweise auf 3000.

„Von der Heide“ war die  einzige deutschsprachige literarisch-kulturelle Monatsschrift im Banat im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts. Zielgruppe waren die deutschen Minderheiten der östlichen und südöstlichen Regionen Österreich-Ungarns. Den inhaltlichen Schwerpunkt bildete das literarische Schaffen von deutschsprachigen Autoren aus dem  Banat, Siebenbürgen und der  Bukowina. Daneben fanden sich auch Texte von rumänischen,  serbischen und ungarischen Literaten in deutscher Übersetzung. Den Hauptteil der Zeitschrift  nahmen in der Regel die belletristischen Texte ein (Erzählungen, Roman-Fragmente, Aufsätze und Gedichte, zum Teil auch als Mundartliteratur), an die sich Beiträge zur Geschichte, Kulturgeschichte und Volkskunde der Banater Schwaben anschlossen. In ihrer politischen Ausrichtung setzte sich die Zeitschrift für die Rechte der deutschen Bevölkerung im Banat und im gesamten Ungarn vor dem Friedensschluss von Trianon ein. Zeitweise erschien eine eigene Rubrik („Vom Deutschtum in  Ungarn“), in der sich der Herausgeber für die Rechte der  deutschen Bevölkerung und gegen die gewaltsame Magyarisierung aussprach. Nach dem Ersten  Weltkrieg richtete sich die politische Zielsetzung verstärkt auf  Rumänien.

Auf den Quellenwert der Zeitschrift für Historiker und Literaturwissenschaftler hat die bisherige Forschung wiederholt hingewiesen. Die einzige monographische Darstellung der Zeitschrift ist 1978 von Walter Engel unter dem Titel „Von der Heide. Anthologie einer Zeitschrift“ in Bukarest publiziert worden. In Deutschland befinden sich Exemplare der Zeitschrift verstreut in rund zehn Bibliotheken. Eine nutzbare, komplette Sammlung ist in keiner Bibliothek verfügbar. Aus dieser Situation heraus entstand die Idee, die Zeitschrift  zu digitalisieren und für ein interessiertes Publikum online zur Verfügung zu stellen. Auf Anregung der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf und der  Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek in Herne erfolgte Ende 2011 in einem ersten Arbeitsschritt die Zusammenstellung der verstreuten Zeitschriftenbestände zum Zweck der Digitalisierung. Hierzu wurden die Bestände der Universitätsbibliothek Leipzig, der Bibliothek des Hauses der Donauschwaben in Salzburg sowie der Bibliothek des Instituts für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen herangezogen. Anfang 2012 wurden in einem zweiten Arbeitsschritt die einzelnen Bände der Zeitschrift sowie das 1919 als Almanach zu der Zeitschrift erschienene „Heidebuch. Orendi-Hommenau’s Kalender für deutsche Literatur und Kunst“ in der Martin-Opitz-Bibliothek digitalisiert und bearbeitet. Die digitale Version der Zeitschrift kann nun in den am Projekt teilnehmenden Bibliotheken als CD-ROM entliehen werden. Seit Juli 2012 ist das vollständige Digitalisat auch bei „DiFMOE Digitales Forum Mittelund Osteuropa“ unter www.difmoe.eu veröffentlicht und steht allen Interessierten weltweit zur Verfügung.