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Banater Post

Große Gedenkveranstaltung in Nürnberg

60 Jahre nach der Heimkehr der Russlanddeportierten

Unter dem Motto „Erinnern, Gedenken, Danken“ fand am 16. Januar 2010 in Nürnberg eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 65. Jahrestages der Russlanddeportation statt. Zu dieser Gedenkfeier hatte das Gerhardsforum Banater Schwaben e.V. zusammen mit dem Nürnberger Marienchor und dem Kreisverband Nürnberg der Landsmannschaft eingeladen. Anschließend an die Feier fand ein Gedenkgottesdienst in der Kirche Maria am Hauch statt.

Im Januar 1945 wurden etwa 150.000 Banater Schwaben aus Rumänien, Donauschwaben aus Jugoslawien, Ungarn, Sathmarer Schwaben und Siebenbürger Sachsen, Frauen im Alter zwischen 17 und 32 Jahren und Männer zwischen 16 und 45 Jahren nach Russland deportiert. Dort mussten sie unter menschenunwürdigen Verhältnissen Zwangsarbeit leisten. Der ehemalige deutsche Außenminister Hans Dietrich Genscher äußerte sich folgendermaßen dazu: „Allein weil sie Deutsche waren, mussten sie diese unbeschreiblich schwierigen Jahre in der russischen Deportation verbringen“. Fast ein Viertel von ihnen starb an Hunger, Kälte und Misshandlungen. Die Überlebenden kehrten 1949 in die zerstörte Heimat zurück. An das Schicksal dieser Menschen, die für die Kriegsschuld Deutschlands leiden und sterben mussten, wurde in dieser Gedenkveranstaltung erinnert.

Mehr als 250 Personen folgten der Einladung zu dieser Veranstaltung. Der Pfarrsaal der katholischen Kirchengemeinde Nürnberg-Röthenbach war bis auf den letzten Stehplatz besetzt, es mussten Sitzplätze improvisiert werden und die Gäste mussten viel Geduld und Verständnis für diese Situation aufbringen.

Um 15 Uhr wurden die Gäste durch Anni Fay, Vorstandsmitglied im Gerhardsforum Banater Schwaben e.V., begrüßt. In ihrer Ansprache nahm sie Bezug auf das Motto der Veranstaltung „Erinnern, Gedenken, Danken“.

Dr. Franz Metz, Vorsitzender des Gerhardsforums, wies auf den hohen Stellenwert hin, den dieses Thema in der Wahrnehmung der Landsleute einnimmt, auf die Notwendigkeit einer ehrlichen Aufarbeitung der Geschichte. Auch dankte er allen, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben, so Pfarrer Anton Schatz von der Kirchengemeinde Maria am Hauch, dem Leiter des Marienchores, Regionalkantor und Organist Willi Baumeister sowie den vielen Helfern vor Ort.

Als Ehrengäste wurden begrüßt Monsignore Andreas Straub, Visitator der Donauschwaben, Heimatpfarrer i. R. Anton Neu, ehemaliger Pfarrer in Temeswar und in München, Katharina Ortinau, stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben und Vorstandsmitglied des Gerhardsforums, Harald Schlapansky, Bundesvorsitzender der DBJT, Peter Krier, Vorsitzender des Hilfswerkes der Banater Schwaben, Helmut Schneider, Ehren-vorsitzender des Hilfswerkes der Banater Schwaben sowie Helmine Buchsbaum, Vorsitzende des Kreisverbandes Nürnberg der Landsmannschaft.

Nach der Begrüßung sang der Marienchor das Lied „Fern der Heimat, fern der Lieben“ unter der Leitung von Willi Baumeister. Auf Initiative von Peter Krier führte die Banater Theatergruppe aus Würzburg (Leitung Anni Mecher) Hörspielauszüge aus dem Stück „Viehwagon 21“ von Stefan Heinz-Kehrer vor. Es ging hauptsächlich um Gespräche, die die Deportierten während ihrer Fahrt im Viehwaggon führten. Für den Beitrag der Würzburger Gruppe gab es viel Beifall.

In mehreren Zeitzeugenberichten schilderten Betroffene über ihre in der Verbannung verlebte Zeit. Die Studentin Stefanie Müller las einen Bericht über die Russlandjahre ihres Großvaters Nikolaus Fay vor und rezitierte ein Gedicht ihrer Großmutter Luise Müller, die im Alter von 16 Jahren eine der jüngsten deportierten Frauen war. Elisabeth Eipert aus Orzydorf hatte in Russland Briefe an die Mutter geschrieben, die sie selbst vorlas. Die Schilderungen ließen kein Auge trocken. Hans Roch, ehemaliger Mitarbeiter der Nürnberger Aufnahmestelle für Spätaussiedler, las ein Gedicht vor, verfasst von einer nach Russland deportierten Frau aus Wojtek.

Wie sich das Leben der im Banat verbliebenen Landsleute in diesen Jahren gestaltete, darüber berichteten Elisabeth Anselm und Maria Klug. Elisabeth Anselm erzählte, wie sie als Kind zusammen mit anderen Jungen und Mädchen immer wieder gebetet habe, dafür dass ihre Mutter von der Verschleppung verschont bliebe. Maria Klug berichtete über ihr Schicksal als allein zurückgebliebenes 13-jähriges Mädchen.

Helmine Buchsbaum sprach über den kürzlich erschienenen Roman „Atemschaukel“ Herta Müllers, der die Deportation thematisiert.

„Mutter der Heimatlosen“ hieß der Vortrag von Dr. Franz Metz über die Lieder der Russland-verschleppung. In der Zeit 1945-1949 sang man auch zu Hause in den Heimatkirchen in jedem Sonntagsgottesdienst ähnliche Lieder, deren Text vom jeweiligen Pfarrer verfasst und die Melodie meist vom Kantorlehrer komponiert wurde. Viele dieser Lieder stammen von Pfarrer Stefan Fischer, von den Kantoren Johann Weber, Geza Neidenbach oder Peter Kleckner. Martin Metz aus Darowa schrieb 1947 mit nur 14 Jahren das Lied „Notschrei zur Mutter“, das nach dem frühen Tod seines Vaters während der Russlandverschleppung entstanden ist. Beeindruckend war der gemeinsame Gesang dieser Lieder, die von Dr. Franz Metz angestimmt wurden. Es wurden auch Lieder gesungen, die vom Leid und Elend jener Zeit berichten und die in den Lagern entstanden: „Tief in Russland bei „Stalino“, „Heute in der Nacht“, „Mensch hast du ein Leid zu tra-gen“ und „Leise sinkt der Abend nieder“. Diese Lieder haben alle Herzen berührt und ein ganz besonderes Gemeinschaftsgefühl entstehen lassen. Musik kann versöhnen und verbinden. Das kam auch bei dieser Darbietung zum Ausdruck.

In der Schlussbetrachtung von Monsignore Andreas Straub wurde noch mal auf das große Leid und die Ungerechtigkeit gegenüber den Menschen in der Deportation hingewiesen und dass der Glaube ein rettender Anker war, der vielen den Mut zum Leben erhalten hat. Das gemeinsam gebetete „Vater unser“ hinterließ ein wohltuendes Gefühl der Gemeinschaft. Zum Schluss erteilte Pfarrer Straub den Segen und lud alle zum anschließenden Gedenkgottesdienst in der Kirche Maria am Hauch ein.

Im Namen der Organisatoren ein herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden und Teilnehmer.