Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V.

Klein-Wien an der Bega

Dieses Ritualgefäß aus der frühen Bronzezeit (um 1500 vor Christus) gehört zu den Highlights der Ausstellung im DZM.

Sonderausstellung über Temeswar im DZM

Wussten Sie schon, dass es in Temeswar archäologische Funde gibt, die mehrere tausend Jahre alt sind? Das Donauschwäbische Zentralmuseum zeigt in seiner Sonderausstellung „Temeswar / Timisoara. Klein-Wien an der Bega” zahlreiche besondere Exponate, die der Öffentlichkeit noch nie präsentiert wurden. In einer Fortsetzungsreihe bis zum 20. Mai zeigen wir ausgewählte Exponate und erzählen die entsprechende Geschichte.

Die Region ist von alters her besiedelt und wurde früh von verschiedensten zivilisatorischen Einflüssen geprägt. Aus der Frühzeit existieren viele archäologische Spuren. In der Umgebung von Temeswar konnten menschliche Ansiedlungen wesentlich früher nachgewiesen werden als die ersten schriftlichen Belege zur Siedlung bezeugen können. Mehrere archäologische Entdeckungen an Fundstellen in Temeswar ergaben den Nachweis von Menschen, die an der Übergangszeit von der Kupferzeit (Äneolithikum) zur Bronzezeit lebten. Zur Bronzezeit (2000 v. Chr.) wurde durch die indo-euro-päischen Thraker im Gebiet des heutigen Rumäniens Metall verarbeitet. Das Gebiet war um die Jahrtausendwende von den Dakern besiedelt, die von Kaiser Trajan erobert und schließlich innerhalb der römischen Provinz Anfang des ersten Jahrhunderts n. Chr. assimiliert wurden.

Im Banat finden sich vielfältige Spuren der dakischen und römischen Geschichte. Nach dem Rückzug der Römer siedelten hier zeitweilig Wandervölker. Bereits in dieser Zeit begann sich das Gebiet zu einer Vielvölkerregion zu entwickeln, was dem Banat schließlich seine besondere Prägung verlieh. Die Keramikfragmente, die in den Stadtvierteln Mehala und Freidorf entdeckt wurden, waren charakteristisch für Gemeinschaften verschiedener Kulturen.

Wahrscheinlich war das heutige Stadtgebiet von Temeswar Teil eines ausgedehnten Kontaktraums zwischen diesen. Außerordentlich interessant vom wissenschaftlichen, aber auch vom künstlerischen Standpunkt sind auch die Entdeckungen im Jagdwald in Temeswar. Im Jahr 1956 wurde während archäologischer Grabungen ein Depot mit Ritualgefäßen freigelegt, die aus der frühen Bronzezeit um 1500 v. Chr. stammen. Dazu gehört auch ein Gefäß mit sechs sternenförmigen Ausgüssen und zwei gegenüberliegenden Henkeln. Es hat auf der Außenfläche acht leicht vorstehende Nasen. Das eingeritzte Dekor ist symmetrisch in jeweils senkrechten Arkadengruppen angebracht.

Das Gefäß ist aus gebranntem Ton und wurde nicht auf einer Drehscheibe hergestellt. Ob es Kultzwecken diente oder andere Funktionen erfüllte, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass es von einer frühen und qualitätsvollen Kultur auf dem Boden der heutigen Stadt Temeswar erzählt. Interessant ist, dass die sternenförmigen Ausgüsse an Sonnenstrahlen erinnert. Bekanntlich gehörte die Sonne zu den wichtigsten Kultsymbolen der Bronzezeit. Im Banat hat sich das Sonnensymbol bis in die Gegenwart gehalten. Wer diese besondere Schale im Original sehen möchte, ist herzlich in das Donauschwäbische Zentralmuseum Ulm eingeladen.