Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V.

Der schönste Liebesbrief - Gedanken zum Fest der Geburt Jesu Christi

Krippe in der Wallfahrtskirche Maria Radna Einsender: Pfr. Andreas Reinholz

Alle Jahre wieder hören wir die Geschichte des jungen Paares, das keine Herberge findet. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelangt es in einen Stall, wo Jesus geboren wird. Unzählige Krippenspiele wiederholen alle Jahre wieder diese Szene. Sie regt uns an, darüber nachzudenken, wie schwer es Gott hat mit uns Menschen. Und alle Jahre wieder müssen wir feststellen, dass es nicht besser geworden ist mit der Liebe, dem Frieden und der Gerechtigkeit in unserer Welt.

Alle Jahre wieder müssen wir feststellen, dass es Menschen gibt, die keinen Sinn in ihrem Leben sehen, die an sich selbst oder an anderen verzweifeln, die zu dem Schluss kommen: Gott und ich haben einander nichts mehr zu sagen. Die Welt der Finsternis macht immer mehr Opfer: Hass und Feindschaft nehmen zu. Der Apostel Johannes konnte kaum sehen, was auf unsere Welt zutrifft: „Die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht“ (Joh 3,20).

Carlo Maria Montini kennt drei Arten von Finsternis: Es ist das menschliche Fehlverhalten, wie Gewalttaten, Raub, Betrug, Untreue, das unsere Seele verdunkelt, also die persönliche Schuld. Sodann gibt es eine Art soziale Schuld, die Gruppen in Unordnung und Chaos führen kann. Dazu gehören Wirtschaftskrisen, Korruption, kriminelle Handlungen. Schließlich gibt es eine dritte Form von Finsternis: Man erkennt nicht mehr, was der Sinn des Lebens ist, wozu wir auf Erden sind; die eigentlichen Werte gehen verloren.Trotz allem: Die Botschaft von Weihnachten kann auch in diese Finsternis hineinleuchten. Sie kann Menschen helfen, von neuem zu glauben und zu hoffen, sie kann menschliches Leben erhellen und verwandeln.

Im Laufe eines Jahres feiern wir mehrmals Feste, kleine und größere. Wir kennen Feste, auf die wir uns zwei, drei Tage lang vorbereiten, aber auch andere, deren Vorbereitung viel mehr Zeit und Aufwand kosten. Weihnachten ist ein ganz besonderes Fest. Irgendwie spüren wir, dass dieser Tag ein Höhepunkt des Jahres ist. Menschen, die das Alleinsein gewohnt sind, haben plötzlich den Wunsch, wenigstens an Weihnachten von Freunden, Verwandten und Kindern umgeben zu sein. Zweifellos hat dieser Wunsch verschiedene Gründe. Tatsache ist, dass wir an diesem Fest ganz deutlich spüren: Wir alle sind Beschenkte. Diese Freude möchten wir mit all jenen teilen, die uns viel bedeuten.

Jeder Festtag ist nicht einfach nur ein Tag der Erinnerung an ein bedeutendes Ereignis der Heilsgeschichte, sondern er will das, was vor 2000 Jahren geschehen ist, in die Gegenwart, in das Heute transponieren. Die liturgischen Texte sprechen immer wieder von „Jetzt“ und „Heute“. Jetzt und heute werde ich mit jenem Ereignis konfrontiert, jetzt und heute werde ich gefragt, was
jenes Ereignis für mein Leben bedeutet. Jetzt und heute soll ich das leben, wozu mich Weihnachten aufruft.

Die Feststellung von Angelus Silesius ist auch heute wahr: „Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.“ Das heißt: Jetzt soll Christus im Herzen jedes Getauften geboren werden. Origenes sagt: „Was nützt es dir, wenn Christus irgendwann einmal im Fleische gekommen ist, wenn es aber nicht in dein Herz eingezogen ist.“ An anderer Stelle wieder: „Das Gebet und das geistliche Leben sind nichts anderes als die Entfaltung dieser göttlichen Gegenwart im Herzen des Menschen, die ein Leben lang andauert.“

Die Geburt Jesu will uns helfen, frei zu werden von einem falschen Gottesbild, denn sie zeigt uns einen Gott, der uns in seinem Sohn Jesus Christus seine ganze Liebe schenkt. Zugleich trägt sie wesentlich dazu bei, die Liebe und Gemeinschaft unter den Menschen zu stärken. Die Geburt Jesu will uns motivieren, als Kinder Gottes und untereinander als Brüder und Schwestern zu leben. Die Geburt Jesu zeigt uns auf ganz neue Weise den Wert und die Würde des Menschen. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14).

Sagen wir Jesus unser Ja, heißen wir ihn willkommen! Er bringt uns jenen Frieden des Herzens, dessen wir alle so sehr bedürfen. Glauben wir daran, dass Jesus heute für mich geboren wird, für mich und für dich, für alle Menschen. Weihnachten beweist uns, dass Gott nicht nur groß und ewig ist, sondern einer, der für uns klein werden konnte, der unsere menschlichen Bedürfnisse und Nöte teilt. Jesus ist für alle geboren. Für die Menschen, die glauben und für die, die nicht glauben. Für die Menschen, die bemüht sind, durch ihren Einsatz die Welt zu verbessern und für diejenigen, die müde und enttäuscht sind.

Gott offenbart uns seine Großzügigkeit, seine Barmherzigkeit, indem er uns sein Kostbarstes schenkt. Gottes Sohn zeigt sich uns in der Schwachheit und Zärtlichkeit eines Kindes. Der heilige Paulus schreibt in seinem Brief an die Philipper: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich“ (Phil 2,5).

Was Weihnachten für uns bedeutet, lässt sich schwer in einigen Zeilen zusammenfassen. Denn es geht nicht nur um die Geburt Jesu in Bethlehem, es geht auch um uns, um jeden Einzelnen. Es geht nicht nur um unsere Gegenwart, es geht auch um unsere Zukunft. Denken wir daran: „Der schönste Liebesbrief der Weltgeschichte, den Gott selbst geschrieben hat – an Weihnachten“ (Anton Kner).