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Banater Post

Die Erinnerung darf nicht enden - Ausstellung zur Russlanddeportation in Bukarest

Aus Alexanderhausen in die Sowjetunion deportierte junge Frauen im Jahr 1948. Einsender: Margarete Ghida, geb. Brunner / Archiv BP

Am 27. Januar 2016 fand im Foyer des Bukarester Athenäums die Eröffnung der dokumentarischen Ausstellung „Mit dem Gesicht, hinter dem Stacheldraht…“ statt. Diese wurde vom Nationalen Rat für das Studium der Archive der Securitate (CNSAS) in Kooperation mit der Konrad Adenauer Stiftung konzipiert. Anlass der Ausstellungseröffnung war das jährliche Gedenken an die Opfer der Deportation der Deutschen aus Rumänien zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion im Januar 1945.

Anhand ausgewählter Dokumente und Fotos aus den Beständen des Nationalen Rates für das Studium der Securitate-Archive, die sich auf 12 Paneelen zu einer eindrucksvollen Text-und Bildcollage zusammenfügen, versucht die Ausstellung, sich diesem schwierigen und leidvollen Kapitel in der Geschichte der Rumäniendeutschen zu nähern und dem Betrachter die Schrecken der Vergangenheit, konkret die schrecklichen menschlichen Schicksale vor Augen zu führen. Die präsentierten Dokumente (Amtskorrespondenz, Listen, Statistiken, Briefe, Zeitungsartikel usw.) decken den Zeitraum Herbst 1944 bis Ende 1956 ab und berücksichtigen sämtliche Siedlungsgebiete der Rumäniendeutschen.

Die Hauptthemen der Ausstellung beziehen sich auf das Waffenstillstandsabkommen vom September 1944, die Vorbereitung der Deportation und die Deportationsbefehle, die Reaktionen im In- und Ausland, die Widerspiegelung der Aushebung der Deutschen in der Presse, die Durchführung der Aushebung und die damit verbundenen Regelverletzungen und massiven Missbräuche, die Stimmungslage der deutschen Bevölkerung nach der Deportation, die Rückführung aus der Sowjetunion und die Situation der Heimkehrer usw.

Zur Eröffnung der Ausstellung sprachen Werner Hans Lauk, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Bukarest, Dr. Dragoș Petrescu, Präsident der CNSAS, und Sven-Joachim Irmer, Leiter des Büros der Konrad Adenauer Stiftung in Rumänien. Das Erinnern und Gedenken an diese schreckliche Vergangenheit sei von großer Bedeutung, sagte Botschafter Lauk in seiner Rede, denn Geschichte lasse sich nicht einfach unterschlagen: „Man muss sich mit ihr auseinandersetzen, um das Wissen um begangenes Unrecht zu bewahren.“ Die Zwangsdeportation sei der deutschen Minderheit in Rumänien kollektiv auf-erlegt worden, „erlebt wurde und wird sie aber von jeder und jedem einzelnen der davon Betroffenen“. Deshalb sei es auch so wichtig, „dass wir an jede und jeden der Deportierten im Blick auf ihr Einzelschicksal denken und sie in unsere Erinnerung einbeziehen“. Das Gedenken an ihr Schicksal müsse zugleich „Mahnung und Sensibilisierung für die nachwachsenden Generationen“ sein, „damit sich solche Schicksale nicht wiederholen“. Die Ächtung von Vertreibung und Deportation sowie der Schutz von Minderheiten hätten sich nicht durch Zeitablauf erledigt, so der deutsche Botschafter. „Sie sind uns gerade heute und in Zukunft Verpflichtung und Auftrag, auch und gerade im Blick auf die kriegs- und bürgerkriegsbedingten gewaltigen Fluchtbewegungen aus den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, aus Nordafrika und Vorderasien.“

Die Ausstellung biete eine sehr gute Gelegenheit, über vier grundsätzliche Begriffe zu reflektieren: Krieg, Leid, Erinnerung und Versöhnung mit der Vergangenheit, unterstrich CNSAS-Präsident Dragoș
Petrescu. Er erinnerte daran, dass am 27. Januar der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust begangen wird. Es sei unsere moralische Pflicht, der Opfer der sogenannten „Endlösung“ ebenso zu gedenken wie der Millionen Opfer auf den Kriegsschauplätzen und in den Reihen der Zivilbevölkerung. Man dürfe aber nicht vergessen, dass Mittel-, Ost- und Südosteuropa unter den unsäglichen Folgen des Zweiten Weltkriegs bis zum Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen 1989 zu leiden hatte. Eine radikale Ideologie sei durch eine andere abgelöst worden: „Auf die ‚Endlösung‘ folgte der stalinistische Terror“, so Dragoș Petrescu.

An die Vorstellung des Ausstellungsprojekts durch Dr. Cristina Anisescu (CNSAS), unter deren Koordination die Exposition erarbeitet wurde, schloss sich eine wissenschaftliche Konferenz an. Daran beteiligten sich mit kurzen Beiträgen  die Forscher Dr. Liviu-Daniel Grigorescu (Nationales Historisches Zentralarchiv), Dr. Florentina Budeancă (CNSAS), Dr. Laura Gheorghiu (Außenministerium Rumäniens) und Dr. Vlad Mitric-Ciupe (Architekt) sowie der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Altreich, Dr. Klaus Fabritius.