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Banater Post

Das Ende meines Kreuzwegs

Pfarrer Adolf Fugel

Pfarrer Adolf Fugel berichtet, wie die "Securitate" Menschen zertrümmerte

In den letzten Jahren wurde unter Papst Johannes Paul II. viel über die „Märtyrer des 20. Jahrhunderts“ im Zusammenhang mit dem Kommunismus gesprochen. Selige und Heilige werden neu verkündet. Gut so! Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Einige hatten nicht das Glück, umgebracht zu werden – auch ich nicht! Aber dass man mich in jungen Jahren systematisch zertrümmerte, das kann man weder in Rom noch sonstwo wissen. Oder besser: Will man es nicht wissen? Sind Lebende insofern schlechter daran, als sie das Martyrium überlebten, gegenüber jenen, die gestorben sind und nun glorifiziert werden? Ist mir auch egal. Ich schreibe mir mal alles „von der Leber“.

Es war nach dem zweiten Jahr (fünftes Semester) der theologischen Hochschule in Alba Julia (Siebenbürgen, Rumänien) im Juli 1963, in den Sommerferien, als eines sonntags gegen 15 Uhr die Polizei in unser Haus kam, um mich abzuholen. Nicht nur meine Eltern, sondern auch die Nachbarn waren in heller Aufregung, was der „Dolfi“ mal wieder angestellt haben musste, weil ihn die Polizei abführte. Man brachte mich aufs Revier. Dort wurde ich zivilen Personen übergeben. Ich weiß kaum noch, worüber gesprochen wurde, etwa über die Tatsache, dass ich zur Kenntnis nehmen müsse, in einer staatsfeindlichen Kirche Pfarrer werden zu wollen, dass man meine guten Noten und mein Betragen kenne, dass ich auch später als Pfarrer – sollte sie, die Geheimpolizei, als die sie sich zu erkennen gab, dies zulassen – bestimmte dem Staate dienliche Aufgaben übernehmen und als „Kirchenmensch“ loyal zum Staate stehen müsse. Natürlich hatte ich gegen all diese Sachen nichts einzuwenden, zumal ich kaum wusste, woran man über diese Worte hinaus noch dachte.

Auf der Suche nach Mitarbeitern

Ich sollte mich jedoch ab sofort monatlich mit einem „Leitkollegen“ treffen, der mich auf meine „staatsbürgerlichen Pflichten“ sukzessive vorbereiten würde. Nach entsprechenden Aufforderungen traf ich mich auch noch zweimal im Laufe des Sommers zu einem Kaffee mit einer mir nicht bekannten Person in Zivil. Nach jeweils einer knappen halben Stunde war alles vorbei. Später wurde mir erst klar, wozu diese Treffen dienten: Man wollte abtasten, ob ich ein gefügiger Mensch sei oder nicht.

In jedem Semester wurden um die dreißig bis vierzig Studenten (so erinnere ich mich) zur Geheimpolizei in die Stadt bestellt. Einige sollten „ausgesondert“ werden. Es scheint, dass auch ich zu den „Auserwählten“ gehörte, und das bestimmte fortan mein Leben. Je näher der Zeitpunkt der Priesterweihe heranrückte, umso mehr drängte man mich, ein sogenanntes „Engagement“ zu unterschreiben, in dem ich mich verpflichte, in der zukünftigen Pfarrei „mit offenen Augen“ zu leben und mögliche staatsfeindliche Tendenzen sofort zu melden. Dabei sollte ich auch einen weiteren „Informanten“ beobachten. Das heißt, auch ich würde von einem anderen Informanten beobachtet werden. Als man annahm, dass ich mittlerweile Bescheid wissen müsste, was meine „Staatsbürgerpflicht“ sei, legte man mir das Papier vor, das ich unterschreiben sollte. Und genau das tat ich nicht! Man drohte mir, ohrfeigte mich, hieß mich einen Verräter – dann wiederum sprach man versöhnend, väterlich. Man entließ mich, bestellte mich von Neuem. Immer wieder die gleiche Prozedur. Ich stand – Gott sei Dank! – schon zu nahe vor der Priesterweihe, eine Verhinderung ihrerseits hätte zu einem offenen Eklat geführt, und das wollten die „Herren in Zivil“ nicht. Im Gegenteil: Das letzte Wort war immer dasselbe: „Was wir hier sprachen, das sei in Ihrem Herzen begraben! Es gibt Dinge, die nur Sie wissen können – und wehe, wir hören diese Dinge von einem anderen ...“ Natürlich stimmte das nicht, dass ich irgendwas wusste, was die anderen nicht wussten, aber Angst machte es einem schon. So richtig durchblicken, was man da mit mir will, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht. Das änderte sich aber schlagartig: Am 21. Januar 1971 klingelte zum ersten Mal ein Offizier in Zivil an der Pfarrhaustür in Uiwar. Er stellte sich als der Securitate-Beauftragte für den Klerus im Kreis Temesch vor und riet mir ganz ungeschminkt und ohne Umschweifen, mit ihm zusammenzuarbeiten. Diese Zusammenarbeit bestünde im Unterschreiben des schon lange fälligen „Engagements“. Natürlich verneinte ich das mit dem Hinweis, dass ich die Unterschrift schon während des Studiums abgelehnt hätte.

Das war der Anfang der schrecklichsten zweieinhalb Jahren meines Lebens. Ohne Unterbrechung wurde ich Monat für Monat mittels einer Postkarte irgendwohin bestellt: Zum Passamt, zum Amt für Personalausweise, zum regionalen Sanitätsdienst, in irgendein Spital (zu einem Krankenbesuch), zur Bank. Und immer saßen dieselben Securitate-Offiziere da und warteten auf mich. Man tat am Anfang immer sehr freundlich, wurde brutal, drohte und kehrte zur freundlichen Rede zurück. Das Schlimme war jedoch, dass ich darüber mit niemand reden konnte bzw. durfte. Ein unverhofft ausgesprochenes „verräterisches“ Wort hätte den sicheren Tod bedeutet. Das ging so bis September 1973.

Im Frühjahr 1971 wendete sich das Blatt, und mein Tod schien unausweichlich. Erschwerend kam hinzu, dass die Frau des orthodoxen Pfarrkollegen so etwas wie Parteisekretärin der Gemeinde war – und ich Dummkopf mit naivem Vertrauen vor dem orthodoxen Pfarrkollegen meine Probleme mit der Securitate einmal anschnitt; durch sein Nichtreagieren machte mir klar, dass dies kein Thema für ihn sei. Ich beschrieb in meinem Büchlein „Christen unterm Roten Stern“ (Herder-Verlag 1984) einige Szenen, die sich im Pfarrhaus abgespielt haben, als man einen Vorwand zu meiner Verhaftung suchte, indem man mir „Proselytismus“ vorwerfen wollte (Taufen von Kindern nichtkatholischer bzw. griechisch-katholischer Eltern).

Je mehr Zeit verging – es handelte sich um Monate –, umso mehr spürte ich, dass diesen ungleichen Kampf vordergründig nur einer wird gewinnen können: die Securitate. So fieberte ich schon gute zehn Tage mit angestrengten Nerven dem nächsten „Treffen“ entgegen und spürte ein inneres Zittern noch bis zu zehn Tage danach. Wie lange werde ich es durchhalten können? Diese Frage stellte ich mir immer wieder. Denn jedes Treffen lief nach demselben Muster ab: Gegen 15 Uhr kamen sechs „Zivile“, setzten sich mit mir an den Tisch. Das Gespräch drehte sich um das „Engagement“, dann warf man mir vor, die Kinder griechisch-katholischer Familien zu taufen, was ein Verfassungsbruch sei, und ähnliches. Man drohte, als man mir die Verpflichtungserklärung vorlegte, einige Male sogar mit der Pistole an meinen Schläfen: Entweder „Ihr Rom“ – oder „Ihr Staat“, in dem Sie leben! Nun ja – ich war jung und in zehn Jahren in Alba-Julia mit Idealismus vollgestopft worden. Meine lakonische Antwort darauf war in den meisten Fällen: Nur los! Abziehen! Dann bin ich ein Märtyrer und du ein Mörder! Einmal haute mir ein Offizier nach einer ähnlichen Aussage so „mit Links“ eins an die Wange, dass der Schuss zwar losging, doch hatte der auf der anderen Seite rechtzeitig die Pistole nach oben drehen können. Schade – ich wäre heute Märtyrer!

Immer wieder Verhöre

Die Kreuzverhöre dauerten in der Regel monatlich bis abends gegen 10 Uhr. Dabei ließ man mich zwischendurch in einem völlig verdunkelten Zimmer mehrmals bis zu einer Stunde ganz alleine. War es vom Tonband oder war es Realität: Öfter hörte ich Menschen qualvoll schreien. Da saß man und zitterte ... und die Zeit verging nicht! Nach einem Jahr begann ich es schon fast zu bereuen, Widerstand geleistet zu haben, denn ich bemerkte, dass es Kollegen gab, die wahrscheinlich das sogenannte Engagement unterschrieben hatten und denen es recht gut ging (ich sage „wahrscheinlich“, da ich die Seelen-last niemandem aufbürden möchte, vor diesen Henkern kapituliert zu haben!). Nicht zuletzt erhielten sie anscheinend auch die besseren Pfarrstellen, während ich mich in jungen Jahren mit einer 300-Seelen-Pfarrei begnügen musste.

Natürlich gab ich den Widerstand nicht auf, trotz des „besseren“ Lebens einiger Kollegen, von denen einige das Priesteramt bald aufgegeben haben. Im Frühjahr 1973 begann ich eine Reihe von fünf Predigten über „Das wahre Angesicht des Kommunismus“. Heute weiß ich, dass dies jugendlich naiv war. Aber ich konnte nicht anders, denn ich sah, wie alte Menschen vor Hunger dahinstarben. Es waren Menschen, deren ganzes Hab und Gut man einfach verstaatlicht hatte, ohne irgend eine Entschädigung oder Aussicht auf eine Pension im Alter. Wie oft habe ich alte Menschen, ausgehungert bis auf Haut und Knochen, die Krankensalbung gegeben! Nein, ich musste darüber predigen. Unter anderem sagte ich den Gläubigen, dass sie sich nicht genieren sollten, von der Ernte, die auf ihrem ehemaligen Felde wächst, so viel zu nehmen, wie sie zum Leben nötig hätten: „Kommt mir aber ja nicht beichten: Ich habe gestohlen! Der Staat hat zuerst euer Hab und Gut gestohlen ...“ Ich ging mit gutem Beispiel voran. Am helllichten Tag ging ich mit einem Handwagen in die Kollektivwirtschaft und „stahl“ mir den nötigen Kunstdünger für meine drei Gärten, die ich bearbeiten musste, um zu überleben – und natürlich auch für die Gläubigen!

Schon nach der zweiten Predigt kamen zwei Männer zu mir und berichteten mir, dass sie ab sofort jede Woche einen Bericht über mich zu schreiben hätten. Jetzt wusste ich, dass ich so richtig alles sagen kann, von dem ich wollte, dass es auch die staatlichen Behörden wissen sollten. Auch die Verhöre wurden von Mal zu mal härter.

Von Februar bis September 1973 gab es kein Verhör mehr ohne Prügel und Demütigungen. Diese Menschen mussten das Handwerk der Demütigung auf einer Uni gelernt haben! Oft stand man nackt vor ihnen und wurde von allen Seiten angepöbelt, mal mit einem Gelächter gekitzelt, und dann erhielt man zwischendurch einen brutalen Hieb mit einer Rute. Sau, Gottesferkel, Verräter waren nur einige Ausdrücke. Die Begleitflüche wiederhole ich natürlich hier nicht. Dann wurden die verschiedenen Foltermöglichkeiten „vorgestellt“ (nicht selten mit Fotos an halbtoten und toten Körpern dokumentiert): Elektroschock, Galgen, im nassen Tuch in einer Zisterne hängend und um Gnade flehend. Jeder wollte den anderen übertreffen in der Schilderung jener Methoden, die auf jene warteten, die gegen die „fortschrittliche sozialistische Gesellschaftsordnung“ hetzen. Nicht selten musste man seine Kleider auf dem Korridor aufraffen, nackt natürlich.

Das schlimmste Treffen dieser Art war wohl das vom 30. Juli 1973. Ich hätte am 28. Juli in Temeswar sein sollen. Aber genau an diesem Tag wurde sechzig Kilometer weiter meine Mutter beerdigt. Sie wohnte vorher fast vier Jahre bei mir im Pfarrhaus. Ich „vernachlässigte“ somit meine „staatsbürgerliche“ Pflicht des Kreuzverhörs und ging zur Beerdigung meiner Mutter. Am 30. Juli holte man mich mit einem Polizei-Jeep ab. In Temeswar wurde ich direkt ins Hauptquartier der Securitate gebracht. Hier hielt man mir folgendes vor: Nichtbefolgen der Anordnung der Staatsorgane am 28. Juli 1973. Der eine Scherge riss mir die Kleider vom Leib, und eine Offiziersfrau drosch mit einer Weidenrute von oben nach unten und vorne und hinten mit voller Wucht auf meinen entblößten Körper ein. Ich schrie, aber nicht aus Schmerz, sondern bat darum, mich zu töten. Sonst sagte ich nie etwas, ganz gleich, wie sie mich peinigten. Es ging ja nur um einige Rutenhiebe, die das Ziel der Demütigung hatten. Diesmal aber ging es weiter, viel, viel weiter! Man war scheinbar gewillt, mein Ende herbeizuführen! Ich zittere heute noch am ganzen Leib, wenn ich nur daran denke.

In diesen Augenblicken verspürte ich schmerzhaft das Fehlen einer lieben Frau, der man sich anvertrauen hätte können, die Anwesenheit eines Menschen, dessen Nähe Verständnis und menschliche Wärme hätte geben können. Zwar gab es Anlehnung, aber nicht immer in der dem Beruf gemäßen Form. Nur wer die Hölle der Securitate durchgemacht hat, wird den vollen Sinn dieser Worte erkennen.

Der Stress, der damals voll Besitz von mir ergriffen hatte, meldet sich immer wieder zurück. Fast monatlich stellen sich Depression ein. Schlaflosigkeit und die Unfähigkeit, etwas Vernünftiges zu tun, sind die Folge. Aber heute bin ich schon soweit, dass ich in der Phase des „Abklingens“ schon Angst habe vor dem nächsten Schub.

Am 11. September 1973 kam Herr H., ein Securitate-Offizier aus Temeswar, spätabends zu mir in die Pfarrei in Uiwar. Er brachte mir einen Reisepass. Wer hatte damals schon einen Pass? Den zu erhalten war praktisch ein Gnadenakt des Regimes. Der mir vorgelegte Pass war auf mich ausgestellt und war mit einem Foto von mir versehen. Ich sollte meine Schwester in Österreich besuchen. Eine Fahrt in den Westen, welche Gnade! Ich lehnte ab mit der Begründnung, dass ich befürchte, mich nicht mehr zurückkommen lassen zu wollen. Dann nahm ich den Pass, zerriss ihn in zwei Teile und gab diese dem Genossen Offizier zurück. Zum Glück waren wir im Pfarrhaus und nicht bei der Securitate. Doch ich wusste, was mir beim nächsten „Treffen“ blühen wird. Mit Bangen dachte ich daran. Und ich täuschte mich nicht. Im Oktober sollte es zu einem ähnlichen „Gespräch“ kommen wie jenes im Juli.

Es mutete sonderbar an, dass man mich im November nicht rief. Am 12. Dezember 1973 tauchte Herr H. wieder bei mir auf. Es war am späten Abend. Er packte ein ordentliches Bündel Papiere auf meinen Schreibtisch aus, zog mal das eine, mal das andere heraus und las mir daraus vor. Kurzum: Am 16. Januar 1974 sollte ich vor Gericht gestellt werden wegen Hetze gegen den Staat und Proselytismus. Alles, was mein Rechtsanwalt, alles was der Staatsanwalt und alles, was sogar ich „verlesen“ durfte bei diesem Strafprozess, war vorgeschrieben. Es war ein reiner Schauprozess. Ich sagte es Herrn H. auch, dass dies ein stalinistischer Schauprozess sei. Die Antwort war einfach: Genosse Pfarrer, der rumänische Staat hat zur Zeit kein Interesse daran, einen römisch-katholischen Pfarrer vor Gericht zu stellen, darum sei er heute hier. Da hörte ich von ihm etwas, wovon ich überhaupt keine Ahnung hatte! Zur Zeit verhandelten der rumänische Staat mit dem Vatikan. Es ginge, so Genosse H., um die Wiederherstellung der 1950 einseitig abgebrochenen diplomatischen Beziehungen. Ceausescu brauchte mal wieder ein neues „Schaufenster“ für den Westen, um an Devisen zu kommen. Daher, so Herr H., werden Sie am 16. Januar um acht Uhr vor Gericht gestellt, zu fünf bis sieben Jahren verurteilt, und am Abend um sechs Uhr leben Sie nicht mehr! Sagte es, schmiss die Papiere vor mich mit der Aufforderung, doch reinzuschauen, was ich auch tat. Nach 15 Minuten stand er auf, packte alles ein und verschwand. Beim Hinausgehen sagte er noch: Wir sehen uns aber noch einmal vor dem Gerichtstermin. Was in der Tat stattfand, als man mich zur Grenze geleitete.

Die Ausweisung

Wollte er mich kleinkriegen? Ich weiß es nicht und kann auch nicht beurteilen, wie es ausgegangen wäre, wenn ich geblieben wäre. Am 13. Januar 1973 wurde ich nach Neuarad begleitet, das heißt ich fuhr in meinem eigenen Peugeot 8, und sie begleiteten mich, damit ich ja nicht woanders hinfahren konnte. Die Fahrtroute wurde mir von am Rande stehenden Polizeiwagen, die mich anhielten, mitgeteilt. Am 14. Januar um 3.30 Uhr saß ich mit einem kleinen Koffer im Zug Richtung Budapest–Wien! Noch bevor meine Begleiter an der Grenzstation (Kurtitsch; Grenze zu Ungarn) aus dem Zug stiegen, sagten sie mir deutlich und ernst: Es ist zu Ihrem Vorteil, wenn niemand etwas von Ihnen erfährt, denn unsere Hände reichen sehr weit! Und danken Sie dem Herrn Poggi, dass Sie nicht schon morgen ein toter Mann sind. Poggi, das war der damalige Außenminister des Vatikans, der sich zur selben Zeit wegen der erwähnten Verhandlungen in Bukarest aufhielt. Da der Vatikan auf die Wiederherstellung der Rechte der durch den Staat auf Geheiß Stalins aufgelösten griechisch-katholischen Kirche pochte, zogen sich die Verhandlungen in die Länge. Zudem war eines meiner Probleme Thema der bilateralen Verhandlungen eben das der Verletzung der Verfassung, indem ich gerade diese griechisch-katholischen Gläubigen auch mitbetreute, ihnen jeden Sonntag predigte und ihre Kinder taufte usw.

Ich fuhr also in Richtung Wien und hatte keine Ahnung, wohin ich mich wenden sollte. Ich wollte nie in den Westen und hatte daher auch keinerlei Informationen, an wen ich mich nach meiner Ankunft wenden könnte. Ich blieb ein paar Tage in Wien, fuhr dann zu meiner Schwester in Schärding und meldete mich schon am 25. Januar beim damaligen Weihbischof Alois Wagner in Linz. Am nächsten Tag war ich schon in Lenzing am Attersee Cooperator. Im August 1974 meldete ich mich in Nürnberg, um als Deutscher Aussiedler anerkannt zu werden. Ab Oktober übernahm ich die erste Pfarrei in Deutschland. Und jetzt begann das schreckliche Spiel der Verdrängung des Erlebten. Bereits im Februar 1975 lag ich mit einem Nervenzusammenbruch in Rottweil im Krankenhaus. Weitere Krankheiten stellten sich ein. 1981 siedelte ich über in die Schweiz. Mein physischer und psychischer Leidensweg war damit noch lange nicht zu Ende. Die Ärzte sprachen immer wieder von „innerer Unruhe“ und „Ausgebranntsein“. Meine kirchlichen Arbeitgeber haben mir großzügig 2001 ein halbes Jahr „Freizeit“ gewährt, aber danach gefragt, woher alles kommt, was die Gründe sein könnten, hat keine Kirchenleitung, weder in Deutschland noch in der Schweiz. Auch schmerzt es, wenn ich hin und wieder heute noch von Banater Landsleuten höre, ich habe die Pfarrei verlassen und sei „durchgebrannt“.

Den steinigen Weg der Aufarbeitung jener schrecklichen Ereignisse habe ich noch nicht bis zu Ende beschritten. Ich muss ihn weitergehen, und das ist nicht leicht. Doch bin ich heute froh, kompetente Unterstützung gefunden zu haben. Dazu gehört auch das Brechen meines Schweigens. Mit jedem offenen Wort über das, was mir in der Diktatur an Unrecht zugefügt wurde, entferne ich mich ein Stück vom großen Trümmerfeld, das die Securitate in den Menschen angerichtet hat.